Gebühren bis 374 Prozent rauf: Sterben wird immer teurer

Kirchlich kostet weniger als städtisch: der Evangelische Friedhof am Bornkampsweg. Foto: cvs

Bestattungen: Untersuchungen bringen drastische Preissteigerungen ans Licht.

Von Christopher von Savigny. Eine Urnenbestattung klingt auf Amtsdeutsch ziemlich lapidar: „Urnenloch ausheben, Urnenloch verfüllen, Wiederherrichtung des Grabstelle“ – so war es kürzlich einem Schreiben der Verwaltung zu entnehmen. 240 Euro kostet es laut Altonaer Gebührenordnung, einen Behälter mit menschlicher Asche in eine gerade mal 40 mal 40 Zentimeter großes Loch zu versenken.
Elbe Wochenblatt-Leser Gerd Plambeck kann über solche Preise nur den Kopf schütteln. „Die Kosten für Bestattungen sind in den letzten Jahren explodiert“, sagt der rüstige Senior. Selbst bei einem bescheidenen traditionellen Begräbnis müsse man heutzutage mit Kosten von etwa 5.000 Euro rechnen. „Diesen Betrag aufzubringen, fällt einem Rentnerhaushalt außerordentlich schwer.“

Trend zu billigeren Feuerbestattungen

Bei einem Preisvergleich hat Plambeck deutliche Steigerungen festgestellt. So seien die Kosten für eine Urnenbeisetzung innerhalb der letzten zwölf Jahre um 74 Prozent angestiegen, die Nutzungsgebühr für ein Urnengrab – üblich ist ein Zeit-raum von 25 Jahren – sogar um 224 Prozent. Mindestens ebenso auffallend sei der Preisunterschied zwischen kirchlichen und städtischen Beerdigungen. So zahle man für eine Urnenbestattung auf einem der vier evangelischen Friedhöfe im Stadtteil (Bornkampsweg, Diebsteich, Holstenkamp und Bernadottestraße) lediglich 135 Euro. Die anonyme Sargbestattung schlägt demnach mit 490 Euro gegenüber 775 Euro (etwa auf dem bezirklich verwalteten Hauptfriedhof Altona) zu Buche.
Die Hamburger Gesellschaft für Bestattungen und Vorsorge (GBV) spricht von einem überregionalen Phänomen: „Die Grabnutzungsgebühren sind bundesweit drastisch angestiegen“, sagt Pressesprecherin Anja Rohde. Angehörige müssten mit Erhöhungen von bis zu 374 Prozent rechnen. Hintergrund sei der anhaltende Trend zur Feuerbestattung. „Teure Erdbestattungen werden hingegen weniger nachgefragt“, so Rohde. Auf diese Weise entstünde den Kommunen schnell ein finanzielles Defizit, das man durch Preissteigerungen aufzufangen versuche.
Für Angehörige gestaltet sich ein Preisvergleich meist kompliziert, da die Friedhofsgebühren in der Regel unterschiedliche Leistungen beinhalten. Unter anderem muss man sich zwischen einem Wahl- und einem Reihengrab entscheiden. Auch eine etwaige Kapellennutzung und die Art der Grabpflege müssen geklärt werden.
Eine Stellungnahme des Bezirksamt Altona zu den Beerdigungskosten auf staatlichen Friedhöfen lag bis Redaktionsschluss nicht vor.
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