Geben und Nehmen

Das Holzhäuschen am Kemal-Altun-Platz ist bereits Tobias Filmars fünfte Tauschkiste. Foto: cvs

Tauschkisten wie die am Kemal-Altun-Platz erfreuen sich steigender Beliebtheit

Christopher von Savigny.
Der Inhalt der mannshohen Holzkiste in der Südostecke des Kemal-Altun-Platzes erinnert an ein Stück Zuhause, das jemand irgendwo in der Landschaft vergessen hat: hier ein paar säuberlich gefaltete oder auf den Bügel gehängte Kleidungsstücke, dort ein Stapel Bücher, ein Gesellschaftsspiel, etwas Geschirr oder ein Paar Gummistiefel.
Eigentlich braucht man nur hineinzugreifen. Wer dann im Gegenzug auch noch etwas anderes dafür hineinlegt, hat das Prinzip bereits verstanden: Geben und Nehmen auf nachbarschaftlicher Basis – so könnte man es vielleicht ausdrücken. „In unserer Gesellschaft wird viel zu viel gekauft und wieder weggeschmissen“, sagt Tobias Filmar, der Erbauer der Tauschkiste, der mit seiner Aktion ein Zeichen gegen „blindes Konsumverhalten“ setzen will.
Die im vergangenen Sommer aufgestellte Ottenser Tauschkiste erfreut sich reger Beliebtheit. In regelmäßigen Abstände kommen Leute vorbei und werfen einen neugierigen Blick hinein.

Tauschpatin sieht
nach dem Rechten

„Die Tauschkiste ist praktisch, weil ich nicht lange überlegen muss: Wer könnte das noch gebrauchen? Ich bringe es eben einfach vorbei.“ Dörte Giebel wohnt nicht weit weg und sieht als „Tauschkisten-Patin“ vor Ort nach dem Rechten. „Jedesmal, wenn ich zum Saubermachen komme, sind die Sachen vom letzten Mal schon wieder weg“, berichtet sie begeistert.
Die Idee der Tauschkiste stammt aus Berlin. Tobias Filmar ist allein für fünf der Hamburger Tauschkisten verantwortlich. Das Ottenser Holzhäuschen hat er Rahmen der altonale zusammen mit einer Gruppe von Kindern zusammengezimmert. Kostenpunkt: nur ein paar Euro – praktisch das gesamte Material hat Filmar geschenkt bekommen. Die Tauschkiste ist Teil seines Projekts „Hamburg bist du“, mit dem der gelernte Tischler und Psychologe junge Leute dazu bringen möchte, sich ehrenamtlich zu engagieren.
Die Idee der Tauschkiste hat bisher in Hamburg recht gut funktioniert – meistens jedenfalls: Am Altonaer Paulinenplatz wurde 2012 eine ähnliche Box angezündet, in Eimsbüttel ließ das Bezirksamt in diesem Jahr eine Tauschkiste entfernen, nachdem sich Anwohner beschwert hatten. Meist werden Tauschkisten von den Behörden geduldet, so lange niemand daran Anstoß nimmt.
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