G20: Wo bleibt die Entschädigung?

Geschäftsleute hatten ihre Läden während des G20-Gipfels gesichert – nun warten sie auf Entschädigungen für Einbußen. Foto: mg

Schanzenviertel: Appell der Geschäftsleute

Carsten Vitt, Sternschanze

Wochenlang massive Polizeikräfte im Viertel, eine harte Linie gegen Proteste, Umsatzeinbußen für Geschäfte, brennende Autos in Altona, die Randale-Nacht des 7. Juli in der Schanze: An den G20-Gipfel werden sich viele Hamburger ganz unterschiedlich erinnern. Im Schanzen- und Karolinenviertel warten Dutzende Geschäftsleute auf Geld: Sie machen Verluste wegen Schließungen während des G20-Gipfels geltend. Für einen Ausgleich gibt es knapp drei Monate nach dem Gipfel offenbar immer noch keine Lösung. Die Gewerbetreibenden erwarten von Kanzlerin Angela Merkel und Bürgermeister Olaf Scholz, „Verantwortung für den uns zugemuteten G20-Gipfel im Juli 2017 und seine Konsequenzen zu übernehmen und unseren finanziellen Schaden, wie zugesagt, schnell und unbürokratisch zu regulieren.“
Hamburg und die Bundesregierung haben einen Härtefallfonds mit 40 Millionen Euro zugesagt. Bezahlt werden davon in der Regel Sachschäden. Die etwa 60 Geschäftsleute des Zusammenschlusses „Schanze Miteinander“ fordern, dass darüberhinaus auch Umsatzeinbußen in Folge des Gipfels ausgeglichen werden. Denn auch diese seien für viele der kleineren Geschäfte und Gewerbetreibenden existenzgefährdend. Die Einbußen der etwa 60 Geschäfte im Schanzen- und Karolinenviertel belaufen sich deren Angaben zufolge auf etwa 400.000 Euro – also ein Prozent der Summe des Härtefallfonds.

Sonnabend: Schanzenfest gegen „Repression“

„Wir fühlen uns von der Politik und deren Hilfsangeboten im Stich gelassen und fordern die Begleichung auch dieser nicht sichtbaren, für uns jedoch schwerwiegenden Schäden“, so die Geschäftsleute.
G20 und die Folgen sind auch Thema beim Schanzenfest am Sonnabend, 23. September. Die Initiatoren wollen den „Belagerungszustand“ während des Gipfels und die „Repression“ gegenüber Bürgern und Protestierenden in den Mittelpunkt rücken.
Das politische Stadtteilfest, angesetzt einen Tag vor der Bundestagswahl, steht unter dem Motto: „Freiheit für alle G20-Gefangenen!“ Gemeint sind etwa zwei Dutzend Beschuldigte, denen unter anderem Flaschenwürfe auf Polizeikräfte oder Landfriedensbruch vorgeworfen werden. Erste Urteile, teilweise mit überraschend hohen Strafen, sind bereits gefallen.
Mit dem Schanzenfest wollen sich die Initiatoren „solidarisch mit den von Repression Betroffenen“ zeigen. „Wir holen uns die Straßen nun gemeinsam komplett zurück und feiern, flohmarkten und informieren einander – wie gewohnt unkommerziell und unangemeldet!“, heißt es in dem Aufruf.

❱ Schanzenfest, Sonnabend, 23. September, ab 10 Uhr, in der Sternstraße, Beckstraße, Kampstraße, Schanzenstraße
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