"Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen"

Andrea Runge (56) will mit der Max-Brauer-Schule weiter auf Reformkurs bleiben. „Wir sind mitverantwortlich für die Entwicklung der Stadtteilschulen in Hamburg“, sagt sie.

100 Tage im Amt: Andrea Runge, Leiterin der Max-Brauer-Schule, zieht Bilanz.

Von Christopher von Savigny.
Es sind große Fußstapfen, in die Andrea Runge tritt: Anfang August letzten Jahres hatte die 56-Jährige die Leitung der Max-Brauer-Schule von Vorgängerin Barbara Riekmann übernommen. In deren 25-jähriger Amtszeit hatte sich die Schule zu einer der besten ihrer Art in ganz Deutschland gemausert – der Deutsche Schulpreis 2006 ist nur eines der Zeugnisse dafür. Jetzt, rund 100 Tage nach ihrem Amtsantritt, zieht die neue Leiterin erstmals Bilanz. „Schulleitung ist ein ausgesprochen anspruchsvoller Job“, sagt Runge. „Aber er macht sehr viel Spaß, weil man direkt am Leben dran ist.“
Nein, Sorgen zu machen braucht man sich ganz bestimmt nicht um Hamburgs Vorzeigeschule. Denn auch Nachfolgerin Runge sprüht vor Energie und Begeisterung. Einmal ins Reden gekommen, lässt sie sich nur schwer bremsen. „Ich kenne keine Schule, an der die Lehrer so hoch motiviert sind“, sagt sie. Das gelte im Übrigen auch für ihre Schüler. „Man neigt ja dazu, zu sagen, dass man Schüler zum Lernen zwingen muss“, so Runge. „Aber das ist nicht wahr. Sie wollen lernen, und sie helfen sich gegenseitig dabei.“
Mit ihrem reformpädagogischen Konzept des individuellen Lernens gilt die Max-Brauer-Schule als Vorreiter in Sachen Bildung: Statt der üblichen 45-Minuten-Einheiten gibt es „Lernbüros“, in denen die Schüler weitgehend selbstständig arbeiten. Mit Erfolg: Rund 70 Prozent der Zehntklässler schaffen den Sprung in die gymnasiale Oberstufe, weit mehr als der Hamburger Durchschnitt.
Derzeit ist die Schule im Umbruch: 20 Lehrer wurden pensioniert, 20 sind neu dazu gekommen. Alt und neu zusammenzubringen und dabei das Schulkonzept weiterzuentwickeln – das sei ihre Hauptaufgabe, sagt Runge. „Wenn das erledigt ist, kann ich wieder gehen!“
Bemerkenswert: Die neue Max-Brauer-Schulleiterin kann zwar ein Lehramtsexamen in Deutsch und Politik vorweisen – unterrichtet hat sie jedoch nie. Der Grund: Mitte der 80er Jahre gab es es kaum freie Stellen für Lehrer. Runge sattelte um auf Industriekauffrau und arbeitete zuletzt als Pesonalreferentin in der Schulbehörde. „Jetzt nochmal an die Schule zu gehen, da ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen“, sagt sie.
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