„Freunde des Silbersack“ retten legendäre Kiez-Kneipe

Auf die Neueröffnung und Weiterführung des „Silbersack“ im Sinne der verstorbenen Wirtin Erna Thomsen stoßen an: Frank Schmidt von der Käufergemeinschaft, Kneipen-Verkäufer Gerd Thomsen, Betreiber Dominik Großefeld, Bezirksamtsleiter Andy Grote und Andreas Rehberg (Käufergemeinschaft; v.l .). Foto: sk
Hamburg: Zum Silbersack |

Kult-Gaststätte mit neuen Eigentümern, neuem Betreiber und altem Konzept wiedereröffnet

Steffen Kozieraz, St. Pauli
Selbst nach der achtwöchigen Schließung verströmte der „Silbersack“ eine starke Duftnote – als ob bis gestern hier gefeiert wurde. Grund für eine Party haben nun alle Freunde der kultigen Kiezkneipe, denn seit Donnerstag steht die rote Tür, durch die schon Hans Albers und Freddy Quinn getreten waren, wieder offen.
Nach dem Tod der 88-jährigen Wirtin Erna Thomsen, die hier 63 Jahre lang hinter dem Tresen stand, drohte dem legendäre Laden das Aus. Nun wurde der Kaufvertrag unterzeichnet: Gleich hinter der Theke, zwischen Gerd Thomsen, dem Sohn der charismatischen Wirtin, und den neuen Besitzern – einer 20-köpfigen Gruppe Hamburger Kaufleute, die unter dem Namen „Freunde des Silbersack GmbH & Co KG“ firmieren.
Neuer Betreiber ist der zum vorherigen Silbersack-Team gehörende Dominik Großefeld. Der 27-jährige erlag vor zwei Jahren dem Charme von Ernas bodenständiger Gaststätte, zog von Dortmund nach St. Pauli, um hier anzufangen. Am Konzept will er nicht rütteln. „Hier treffen unterschiedlichste Leute aufeinander. Jung und Alt, Arm und Reich, und es harmoniert alles,“ schwärmt der Gastronom vom besonderen Flair.
Preise und Öffnungszeiten sollen gleich bleiben, aus der Jukebox scheppern weiterhin alte Gassenhauer wie „La Paloma“ oder „Mendocino“, und hippe Modedrinks kommen dem neuen Wirt nicht über den Tresen: „Alles Schnickschnack. Bei uns gibt es Astra und im Winter Glühwein,“ so Dominik Große-feld. Mit einem zehnjährigen Pachtvertrag denkt er langfristig: „Wenn es geht, dann möchte ich hier mal in Rente gehen.“
Auch Gerd Thomsen zeigt sich erleichtert, dass der Silbersack, für den er laut Medien geschätzte eine Millionen Euro erhielt, nun ganz im Sinne seiner Mutter weiterlebt. Schließlich verpflichtet sich die Käufergemeinschaft, die urige Schenke als St. Pauli-typisches Kulturgut zu erhalten. Dass der „Silbersack“ eine renditeträchtige Goldquelle abgibt, weil er in zahlreichen Reiseführern steht und täglich Touristen lockt, sei nicht der eigentliche Kaufgrund, erklärt der neue Mitinhaber Frank Schmidt: „Dieser Laden soll für alle als Anlaufpunkt erhalten bleiben.“ Darauf eine Knolle Astra!
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