Fluglärm: Mit den Nerven am Ende

Rentner Willi Mähl (73), in Osdorf aufgewachsen, fordert Maßnahmen gegen Fluglärm.

Ehepaar aus den Elbvororten will den Krach nicht länger hinnehmen.

Von Reinhard Schwarz.
Hochsommer, laue Nächte, wer kann, schläft jetzt bei offenem Fenster. Für das Ehepaar Eva (72) und Willi Mähl (73) ist das nur ein schöner Traum. Denn das Ehepaar, das im Ruhestand ist und am Stiefmütterchenweg lebt, findet keine Ruhe. Ab morgens um sechs Uhr ist es vorbei mit dem Nachtschlaf. Der Grund: Fluglärm, fast rund um die Uhr.
„Die ersten Flieger kommen manchmal schon ab 5.58 Uhr“, berichtet Willi Mähl, der in Osdorf aufgewachsen ist. „Dann geht es Schlag auf Schlag, alle paar Minuten fliegt ein Flugzeug über uns hinweg.“ An Schlaf sei dann nicht mehr zu denken. Erst ab 23 Uhr werde es ruhiger, doch auch darauf könne man sich nicht verlassen
Es gibt auch Ruhephasen, doch wann die sind, weiß niemand im voraus: „Gestern nachmittag war es relativ ruhig, zu anderen Zeiten kann man nicht mal ein Fenster öffnen.“ Besonders laut seien startende Flieger und Propellerflugzeuge. Die Lärmbelastung sei nicht ohne gesundheitliche Folgen, schildert Eva Mähl: „Man wird nervös, man wird unruhig, das geht sieben Tage die Woche.“ Gatte Willi ergänzt: „Psychisch ist das ganz schlimm, man kriegt das Zittern, wenn man die schon im Anflug hört.“
Vor 17 Jahren zogen die Mähls an den Stiefmütterchenweg. „Von der Belastung durch den Flugverkehr wussten wir damals nichts.“ Nach und nach sei es schlimmer geworden. Das Ehepaar schrieb an den Flughafen Fuhlsbüttel: „Eine Antwort haben wir nie bekommen.“ Im Wahlkampf sprach Willi Mähl vor Jahren Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) an, der versprach, sich zu kümmern, doch geändert habe sich nichts – im Gegenteil.
Beim Thema Fluglärm ist jedoch aktuell einiges in Bewegung geraten. So hat der Umweltausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft kürzlich eine Entschließung auf den Weg gebracht (siehe unten). Zudem gibt es eine Flug-lärmschutzbeauftragte, die nach Mitteilung der Umweltbehörde unter Tel 428 40 25 48 oder unter Tel 427 97 25 48 erreichbar ist oder per E-Mail: fluglaerm@bsu.hamburg.de

Lärmschutz light?
In der von SPD, CDU, FDP und den Grünen unterstützten Entschließung wird der SPD-Senat unter anderem „ersucht“, „(...) eine weitere lärmmindernde Optimierung der Landeanflüge insbesondere im Hamburger Nordosten zu erreichen, indem insbesondere verkürzte oder Sichtanflüge bis auf absolute Ausnahmefälle nicht genehmigt werden“.
Weiterhin soll sich der Senat dafür einsetzen, „dass Fluglinien, inbesondere die Lufthansa-Gruppe, Hamburg mit den neuen A 320 neo und A 321 neo anfliegen“. Diese Maschinen gelten als besonders leise.
Die Linke fordert hingegen ein Nachtflugverbot ab 22 Uhr und verweist darauf, dass es bisher kein generelles Nachtflugverbot in Hamburg gibt. Hamburg solle sich den Bundesratsinitiativen von Rheinland-Pfalz und Brandenburg für mehr Lärmschutz anschließen.
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