Filigrane Schätze

Angelika Francke zeigt eine beeindruckende Auswahl antiker, handgearbeiteter Spitze. Einige Objekte sind nach über 60 Jahren erstmals wieder öffentlich zu sehen. (Foto: Christina Busse/Museum für textile Techniken e.V.)
 
Internationales „Spitzentreffen“ im Museum für textile Techniken: Insgesamt 72 Expertinnen für historische Spitze besichtigten in vier Gruppen die außergewöhnliche Ausstellung. (Foto: Christina Busse/Museum für textile Techniken e.V.)
Von Christina Busse / Pressesprecherin: Museum für textile Techniken e.V.:
Filigrane Schätze aus zarter Spitze
Internationales „Spitzentreffen“ im neuen Museum

ALTONA-NORD Mit Expertenblick begutachteten die Besucherinnen aus neun Ländern, darunter Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland und Großbritannien, die Ausstellungsstücke im Museum für textile Techniken. “Sammlungen mit historischer Spitze aus den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind eine echte Rarität“, zeigten sie sich begeistert, und die Fotoapparate klickten ohne Unterlass.

In zwei großen Reisebussen hatten die 72 Gäste bereits mehrere hundert Kilometer zurückgelegt, bevor Angelika Francke sie in den neuen Räumen des Museums an der Max-Brauer-Allee begrüßen konnte. Veranstaltet wurde die Reise vom Forum Alte Spitze, einer im nordrhein-westfälischen Übach-Palenberg ansässigen Gesellschaft, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die große Kunst des Spitzenklöppelns aufrechtzuerhalten. Jedes Jahr organisieren die Gründerinnen des Forums, Marianne Stang und Anneliese Wienands, eine gemeinsame Fahrt zu Stätten mit besonderen Beispielen dieser aufwändigen Handarbeitstechnik.

Bei ihrem Besuch im Museum für textile Techniken standen Entwürfe und Werke zweier Hamburger Künstler im Mittelpunkt. Ihre filigranen Kunstwerke waren nach 66 Jahren erstmals wieder öffentlich zu sehen. Der aus Österreich stammende Maler und Designer Carl Otto Czeschka (1878-1960) gilt als einer der wichtigsten Gestalter der Wiener Werkstätte und wurde 1907 an die Kunstgewerbeschule in Hamburg berufen, die heutige Hochschule für bildende Künste am Lerchenfeld. Bekannt wurde Czeschka unter anderem durch seine Grafiken, Holzschnitte und Glasfenster. Das Museum für textile Techniken zeigt Spitzen, die nach seinen Entwürfen an der Hamburger Kunstgewerbeschule gefertigt wurden.
Einen weiteren Schwerpunkt in der aktuellen Ausstellung bilden die Entwürfe und Spitzenarbeiten von Therese Hallinger (1909-2001). Die Kunsthandwerksmeisterin, die auf der Uhlenhorst aufgewachsen war, besuchte 1926-32 die Stickerei- und Zeichenklasse der Kunstgewerbeschule am Lerchenfeld. 1940 übernahm sie deren Leitung, nachdem sie mehrere Jahre selbständig tätig gewesen war. Ihre vielfältigen Arbeiten in verschiedenen textilen Techniken hat Hallinger ihren ehemaligen Schülerinnen Angelika Francke und Dominique Loeding vermacht, die damit den Grundstock für das Museum legen konnten. Ein herausragendes Stück in der aktuellen Ausstellung ist das Goldfadenmustertuch, das Hallinger bereits 1930 gefertigt hat. “Es befand sich zusammen mit vielen anderen Werken in der Kunstgewerbeschule am Lerchenfeld, als diese bei einem Bombenangriff am 24. Juli 1943 teilweise zerstört wurde“, weiß Angelika Francke zu berichten. Nur weil es mit Japangold, einem mit echtem Gold bestäubtem Faden gestickt worden war, konnte es nach der Bergung aus den Trümmern so gereinigt werden, dass die besondere Schönheit der Arbeit bis heute zu erkennen ist.
“Es freut mich sehr, dass unsere Sammlung auf so große Resonanz stößt“, betont Angelika Francke, die vor über zwanzig Jahren den Grundstein für den textilen Fundus gelegt hat und den Verein, der das Museum für textile Techniken trägt, begründet hat. Nachdem die vielfältige Sammlung bisher in der Grundschule Rothestraße beheimatet war, ist sie erst jüngst in frisch renovierte Räume im ehemaligen Krankenhaus Altona umgezogen. Wechselnde Ausstellungen finden hier ebenso ihren Platz wie eine Lernwerkstatt, in der Kurse und Workshops für Erwachsene und Kinder dafür sorgen sollen, dass textile Handarbeitstechniken wie Flechten, Sprang, Brettchenweben, Schiffchen- und Nähspitze erworben und ausgeübt werden können. Der Besuch der Spitzenexpertinnen aus dem In- und Ausland bildete einen inspirierenden Auftakt für die weitere Arbeit des Vereins, dem Fachleute genauso wie interessierte Laien angehören. “Wir kommen bestimmt wieder“, kündigten einige der Gäste an, bevor sie zur Weiterfahrt aufbrachen. Nächster Anlaufpunkt ihrer mehrtägigen Reise war das alle drei Jahre stattfindende Klöppel-Festival im dänischen Tønder, bevor es zu Spitzensammlungen in Schweden weiterging.
(Info-Kasten:)
Die Ausstellung „Spitze nach Entwürfen von Therese Hallinger und
Carl Otto Czeschka“ ist noch am Donnerstag, den 11. Juli, von 15-17 Uhr zu sehen sowie nach Vereinbarung unter Tel.: 38 08 72 09 (AB) oder via E-Mail an museumtextiletechniken@gmail.com. Öffnungszeiten im August werden noch bekannt gegeben. Der Eintritt beträgt 2 Euro, ermäßigt einen Euro. Museum für textile Techniken e.V., Max-Brauer-Allee 134, Seiteneingang Hospitalstraße.
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