Fernbahnhof am Diebsteich: Weder schön noch sinnvoll?

S-Bahnhof im Niemandsland: Noch geht es am Diebsteich beschaulich zu. Foto: Eichbaum

Verlegung des Altonaer Bahnhofs: Initiative Prellbock kritisiert das mittlerweile abgeschlossene Erörterungsverfahren

Von Gerd Eichbaum. Das Gezerre um die Verlegung des Fernbahnhofs Altona zur S-Bahn-Station Diebsteich geht in eine neue Runde. Nach dem Ende des aufgrund vieler Unzulänglichkeiten von Verlegungsgegnern stark kritisierten Erörterungsverfahrens ist nun das Eisenbahnbundesamt am Zug. Als zuständige Genehmigungsbehörde erlässt es nach Prüfung des Verfahrens einen Planfeststellungsbescheid. So weit, so klar?
Der Schein trügt. So hofft die die Verlegung ablehnende Bürgerinitiative „Prellbock Altona“ auf eine Wiederholung des Verfahrens. „Identifizierte Verfahrensfehler“ und ein „offenkundig äußerst defizitäres Abwägungsmaterial“, das zudem nicht zugänglich gewesen sei, machten dies aus ihrer Sicht notwendig.

Gibt es keine seriöse Kostenschätzung?


Darüber hinaus verfolgen die Stadt Hamburg und die Bahn AG offenbar durchaus widersprüchliche Interessen. „Nach meinem Gefühl gibt es einen zunehmenden Dissens zwischen beiden“, so Michael Jung von „Prellbock Altona“. Die Bahn plant einen minimalistischen Zweckbau am Diebsteich. Für Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter, selten um wortgewaltige Anpreisungen verlegen, eine „Hundehütte“, die aussehe wie „eine Sparkasse in den 70er-Jahren.“
Die Bahn begründete eine Verlegung während des Erörterungsverfahrens mit „betriebswirtschaftlichen Vorteilen für den Fernverkehr“. Dafür reicht die „Hundehütte“ aus. Die Stadt Hamburg in Gestalt ihres Oberbaudirektors will jedoch ein städtebauliches „Zeichen in Richtung Zukunft“ für Altona. Der Bahnhof und sein Umfeld müssen für Investoren interessant gemacht werden, um das gesamte Vorhaben finanzieren zu können. Es müssen also entsprechende Verwertungsflächen her. Erste Ideen Walters sehen Hochhaustürme und eine ergänzende Bebauung für Büros, Gewerbe und Wohnungen vor.
Eine seriöse Kostenschätzung ist nicht Bestandteil des Erörterungsverfahrens gewesen. Eine Einladung für ausufernde Baukosten auf Kosten der Steuerzahler, so weitere Kritik. Daneben ist für den gesamten städtebaulichen Komplex ein gesondertes Planfeststellungsverfahren notwendig. Zudem wurde während des Erörterungsverfahrens deutlich, dass gegen den Planfeststellungsbescheid wahrscheinlich Klagen eingereicht werden.
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Andreas Müller-Goldenstedt aus Altona | 30.10.2016 | 14:52  
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