„Fahrradfahren ist wie frisch verliebt sein!“

Übung für den letzten Tag des Kurses: durch eine kleine Lücke fahren. Was ist das Wichtigste? Auf die innere Stimme hören, die sagt: "Das klappt!" oder "Jetzt besser absteigen!" Und tun, was die Stimme sagt!

Als Erwachsene Fahrrad fahren lernen - das geht.

Es gibt sie tatsächlich: Männer und Frauen, die noch nie auf einem Fahrrad gesessen haben. Und die plötzlich Lust bekommen, Fahrrad fahren zu lernen. Aber wo und wie, bei wem? Begreift jemand, wie schwierig es sein kann, auf zwei Reifen das Gleichgewicht zu halten? Der Altonaer Turnverband hat - bisher nur für Frauen - einen Kompaktkurs für Fahrrad-Anfänger im Angebot. Das Wochenblatt war dabei.
Heute ist der letzte Tag. Zwei Wochen lang haben Angela (57), Tavan (46), Heike (62), Barbara (63), Ayse (35) und die anderen auf Leihrädern geübt, auf dem Sportplatz des ATV. Wie kommt es, dass sie nicht radeln können? Heike: „Ich bin in der Stadt groß geworden - mit einer sehr ängstlichen Mutter, die selbst nicht Fahrradfahren konnte.“ Barbara hat zwar als Siebenjährige ein Fahrrad zu Weihnachten bekommen. „Aber zu Silvester hatte es mein älterer Bruder schon auseinander- und für sich in Beschlag genommen.“
Angelas Eltern sind taubstumm. „Sie haben deshalb keinen Gleichgewichtssinn - und panische Angst vor dem Radfahren. Deshalb hab ich es auch nicht gelernt.“ Tavan kommt aus dem Irak: „Da fahren Mädchen nicht Rad. Keiner sagt, das darfst du nicht. Man tut es einfach nicht.“ Ähnlich geht es den Teilnehmerinnen aus Ägypten und dem Iran.
Ayse (35) ist die jüngste. „Mein Mann und unsere Töchter fahren auf Tour und zum Fischmarkt, nur ich bleib zu Haus.“ Das wird sich ändern. Aye wirkt total sicher auf dem Rad. Tochter Selen (9) ist dabei, guckt zu und ist sichtlich stolz auf die Mama.
Zenep aus der Türkei ist 65, hat in ihren 44 Jahren in Hamburg vier Kinder großgezogen, neben der Arbeit. Jetzt macht sie, worauf sie schon immer Lust hatte: „Fahrrad fahren lernen!“ Und das tut sie nach dem Konzept, das Christian Burmeister entwickelt hat: Es wird ganz klein angefangen, mit Tretrollern: „Wir geben die Hilfe, die erwachsene Anfänger brauchen, um wieder wie Kinder lernen zu können: spielerisch. Dann erarbeiten sie es sich selbst.“ Die Teilnehmer werden weder angefasst noch angeschoben. Wichtig ist: auf die eigenen Instinkte zu hören, selbst zu entscheiden. Es wirkt. Einige sind sehr sicher auf dem Rad, andere noch ein bisschen wackelig. Eine Urkunde bekommen sie alle. Und eine sagt: „Fahrrad fahren können - das fühlt sich an wie frisch verliebt!“

Der nächste Frauenfahrradkurs des Altonaer Turnverbands startet am Montag, 16. Juni, und dauert bis Freitag, 27. Juni. Jeweils von Montag bis Freitag, immer von 9.45 Uhr bis 12 Uhr. Ort: ATV Vereinshaus und Sportpark, Kirchenstraße 21. Es unterrichten zertifizierte Radfahrlehrerinnen. Info und Voranmeldung bis zum 12. Juni im ATV-Vereinshaus. Weitere Info: Tel 38 30 16 (Brigitte). Teilnahmegebühren: 49 Euro, ermäßigt 35 Euro bei Vorlage einer ALG II/ Hartz IV-Bescheinigung.
Männer, die an einem Radkurs interessiert sind, können sich bei Christian Burmeister unter Tel 59 32 37 melden.
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