ESSO-Häuser: Abriss gestartet

Bagger am Werk: Die ESSO-Häuser am Spielbudenplatz werden seit letzter Woche abgerissen. (Foto: Heinz Mann)
 
Protest von Initativen und Anwohnern wird den Abriss nicht aufhalten können, aber vielleicht kann damit mehr Mitspracherecht bei der Neubebauung erkämpft werden. (Foto: Heinz Mann)

Kiezprägende Wohnhäuser verschwinden. Initiativen fürchten weitere Verdrängung.

Erst wurde die Tanke abgerissen, die den Essohäusern auf dem Kiez ihren Namen gab. Dann die Waschstraße. Seit vergangener Woche sind die Bagger an den Häusern selbst zugange. Anwohner und Gentrifizierungs-Gegner haben sich redlich gewehrt, aber vergeblich: Die kantigen 60er Jahre-Häuser zwischen Spielbudenplatz, Taubenstraße und Kastanienallee, die zu einem Symbol des Widerstands gegen teure Mieten und Schickimickisierung auf dem Kiez geworden waren, sind jetzt schon: Geschichte.
Wem gehört das Grundstück? Jahrzehntelang im Privatbesitz einer Familie, wurde das Gelände inklusive Tankstelle, Waschstraße, Gewerbezeile und Tiefgarage 2009 an die „Bayerische Hausbau“ veräußert, ein Immobilienunternehmen mit Sitz in München. 600 Mitarbeiter. Immobilienportfolio: 2,5 Milliarden Euro.
Was war so besonders an der Tankstelle?
Die Tankstelle galt schon länger als nicht wirtschaftlich. Sie war aber ein Kiez-Kultobjekt: An allen Tagen im Jahr rund um die Uhr geöffnet, war sie Treffpunkt und Nahversorger für Anwohner, Anregung für Künstler jeder Sparte von Film über Musik bis Malerei und Fotomotiv für Touristen. Die Bayerische Hausbau hatte von vornherein nicht vor, die Tankstelle weiterzubetreiben.
Und die Häuser? Warum müssen die verschwinden?
Mehrere Gutachten bescheinigten den Häusern mit ihren 110 Wohnungen einen miserablen Zustand, der nicht mehr zu sanieren war, unter anderem schwere Schädigungen der Stahlbetonkonstruktion. Im Dezember 2013 mussten die Häuser geräumt werden – zu gefährlich für Bewohner und Betreiber und Kunden der Geschäfte .
Was bemängeln und fordern die Kritiker?
1. Der unhaltbare Zustand der Häuser sei hausgemacht, ja sogar absichtlich herbeigeführt worden: Jahrzehntelang sei weder saniert noch repariert worden.
2. Mit den Essohäusern verschwinden Bauten, die den Kiez geprägt haben. Dazu 110 Wohnungen, deren Miete noch wirklich bezahlbar waren. Die Initiative ESSO Häuser fordert für die Zukunft 100 Prozent Sozialwohnungen und intensive Beteiligung an sämtlichen Planungen, auch für die Zwischennutzung des Geländes.
Was ist geplant?
Die Bayerische Hausbau will auf dem 6.200 Quadratmeter großen Gelände einen Neubau mit insgesamt 19.500 Quadratmetern Wohnungen und 5.000 Quadratmetern Gewerbefläche bauen, je ein Drittel Eigentums-, frei vermietbare und Sozialwohnungen. Die Bezirksversammlung Mitte fordert 50 Prozent Sozialwohnungen. Das, so die Bayerische Hausbau, sei wirtschaftlich nicht darstellbar.
Wie geht es weiter?
Bisher hat der Bezirk Mitte zwar die Abbruchgenehmigung erteilt, aber noch keine Baugenehmigung.
Und die Mieter?
Von den 86 Mietern wurden 80 in vergleichbare Wohnungen umgesiedelt, die meisten davon auf St. Pauli. Zwei Mieter haben Angebote ab 1. Juli beziehungsweise 1. August, für die letzten vier wird noch gesucht. Laut „Bayerische Hausbau“ haben die Altmieter ein Rückkehrrecht in vergleichbar große Wohnungen im Neubau zur zuletzt bezahlten Bruttoquadratmetermiete.

Selber gucken:

www.wohnen-am-spielbudenplatz.de
www.initiative-esso-haeuser de
www.planbude. de
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