„Esso-Häuser“: Abreißen oder retten und renovieren?

Blick auf die „Esso-Häuser“ vom Spielbudenplatz aus gesehen: Auch der sogenannte Gewerberiegel mit Musikclubs wie dem legendären „Molotow“ ist vom Abriss bedroht. Foto: rs
Hamburg: "Esso Häuser" |

Investor „Bayerische Hausbau“ bricht Gespräche mit Initiative ab

von Reinhard Schwarz

Kommt jetzt die Abrissbirne? Mit der Ankündigung der Bayerischen Hausbau, sich aus den Gesprächen am Runden Tisch über die Zukunft der sogenannten Esso Häuser zurückzuziehen, ist eine neue Situation entstanden. Der Investor will die beiden zwischen Kastanienallee und Spielbudenplatz gelegenen Wohnhäuser durch Neubauten ersetzen. Zudem soll auch der „Gewerberiegel“ am Spielbudenplatz mit Musikclubs wie dem „Molotow“ oder dem Traditionshaus „Hundertmark“ abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
Die Bayerische Hausbau gibt in einer Erklärung der „Initiative Esso Häuser“ die Schuld für das Scheitern der Gespräche. Streit gab es demnach um die Auswahl des Gutachters für ein weiteres Gutachten um die Frage, ob die aus den 60er Jahren stammenden Häuser noch saniert werden können oder abgerissen werden müssen. Die Initiative wolle „entgegen den am Runden Tisch getroffenen Vereinbarungen den Gutachter allein bestimmen“ und habe sich damit „als Gesprächspartner disqualifiziert“, so das Unternehmen.
Aus Sicht von Andi Schmidt, Inhaber des „Molotow“, habe der Investor offenbar „die Geduld verloren oder Panik bekommen, weil ihm die Geldgeber im Nacken sitzen“. Ein Vertreter der Hausbau habe von der Politik endlich Entscheidungen gefordert.
Ob sich ein Abriss der „Esso Häuser“ so leicht umsetzen lässt, ist fraglich. Denn dazu bedarf es einer Genehmigung durch die Bezirkspolitik. Auch müsste zur Neubebauung erst der noch aus den 50er Jahren stammende Bebauungsplan geändert werden.
Die Bezirkspolitik zeigt sich recht ungehalten über den Abbruch der Gespräche durch die „Hausbau“. So erklärte Bürgerschaftsabgeordneter Andy Grote (SPD), seine Partei würde einer Änderung eines Bebauungsplans erst zustimmen, wenn „es ein ordentliches Beteiligungsverfahren gibt“. Die GAL im Bezirk Mitte fordert zudem den Bau von mindestens 50 Prozent Sozialwohnungen, statt der zugesagten ein Drittel geförderter Wohnungen. Aus Sicht von Molotow-Betreiber Schmidt geht es aber auch um mehr: „Die Situation ist dramatisch, weil in den letzten Jahren auf dem Kiez schon soviel kaputt gemacht wurde. Wenn das so weitergeht, ist vom alten St. Pauli bald nicht mehr übrig.“
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