„Es fehlt die Auseinandersetzung!“

Ein Kunstwerk für die Fußgängerzone: „Gut fände ich auch eine Aktionsfläche, die für Künstler reserviert wäre“, sagt Anwohner Horst Emmel. Foto: cvs

Neue Große Bergstraße: Bezirksamt will keine Kunst im öffentlichen Raum

Von Christopher von Savigny. Auf St. Pauli wehen seit 1997 die künstlichen Palmen von „Park Fiction“ im Wind. Im Elbstrom bei Oevelgönne sorgt schon ein paar Jahre länger ein hölzerner Mann auf eine Boje für interessierte Blicke – zwei Beispiele für das Programm „Kunst im öffentlichen Raum“, das die Kulturbehörde vor gut drei Jahrzehnten ins Leben gerufen hat, um Straßen und Plätze in Hamburg zu verschönern.
Auch den Planern der Neuen Großen Bergstraße täte ein wenig Kreativität ganz gut – findet jedenfalls Anwohner Horst
Emmel, der sich schon seit längerem für ein Kunstobjekt in der Fußgängerzone einsetzt. „Kunstorte sind Orte der Auseinandersetzung“, findet er. „So etwas brauchen wir. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Künstlergruppe aus dem früheren Frappant nicht mehr da ist. Seitdem gibt es kaum noch
Diskussionskultur im Stadtteil!“ Bislang sind Emmels Bemühungen allerdings ohne Erfolg geblieben. „Die Ignoranz der Altonaer Verwaltung empfinde ich als Skandal“, sagt er.
Hintergrund: In diesem Jahr soll der letzte Abschnitt der Fußgängerzone – zwischen Goetheplatz und Max-Brauer-Allee – neu gepflastert werden. Verwendet wird das gleiche rötliche Pflaster wie im östlichen Teil der Neuen Großen Bergstraße. Am Südrand der Fußgängerzone entsteht ein etwa 4,50 Meter breites „Möblierungsband“ mit Sitzgelegenheiten, Fahrradständern, Papierkörben und neuen Bäumen.
Lange Zeit hatte dem Bezirksamt das Geld für die Umsetzung des Projekts gefehlt. Nun steht fest, dass die Wirtschaftsbehörde rund 50 Prozent der Kosten (etwa 1,5 Millionen Euro) übernimmt. Zudem stehen Mittel aus dem Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) zur Verfügung.

Sitzgelegenheiten, Mülltonnen – aber keine Kunst

Laut Entwurfspräsentation des Bezirks ist das Platzangebot aufgrund der Marktflächen und der vorgeschriebenen Feuerwehrzufahrten stark begrenzt. „Weite Bereiche der Fußgängerzone müssen von Gestaltungselementen, Bäumen und festen Einbauten wie Fahrradständern, Werbetafeln oder Sitzgelegenheiten freigehalten werden“, heißt es dort.
Zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum“ äußert sich das Bezirksamt nicht. „Nach gegenwärtigem Stand der Dinge gehen wir davon aus, nach der diesjährigen Altonale mit den Bauarbeiten beginnen zu können“, sagt Pressesprecher Martin Roehl auf Anfrage des Elbe Wochenblatts lediglich.
Nach Auskunft der Kulturbehörde liegt der Hamburger Etat für „Kunst im öffentlichen Raum“ bei 250.000 Euro jährlich. Das ist deutlich weniger, als andere deutsche Großstädte wie etwa Berlin oder München zur Verfügung stellen.
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