Ermordet, weil sie anders war

Simon-von-Utrecht-Straße 79.: Das Projekt zur Erinnerung an die Opfer des NS-Regimes stößt auf großes Interesse.

Studentinnen initiieren Vertonung der Biografien von NS-Opfern.
Schicksal der Transsexuellen Liddy Bacroff wird so lebendig.

Von Marco Tripmaker.
Liddy Bacroff hat ein grausames Schicksal gehabt - nur weil sie zur falschen Zeit lebte. Sie wohnte und arbeitete in den 1930er und -40er Jahren auf St. Pauli. Liddy Bacroff, 1908 als Heinrich Eugen Habitz in Ludwigshafen geboren, war transsexuell. Sie passte nicht ins Menschenbild des NS-Regimes. Wegen „gewerbsmäßiger Unzucht“ wurde sie als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher“ verhaftet, kam 1942 in das Konzentrationslager Mauthausen und wurde dort am 6. Januar 1943 ermordet.
Heute erinnert ein Stolperstein vor dem Mietshaus in der Simon-von-Utrecht-Straße 76 bis 79 an Liddy Bacroffs Schicksal. Die Studentinnen Sarah Dannhäuser und Marta Werner haben dafür gesorgt, dass sie nicht vergessen wird. Sie haben eine Projekt gestartet, bei dem die Biografien von 20 Opfern des Nationalsozialismus vertont wurden. Sie können über Internet und Smartphone abgerufen werden.
Bei der Vorstellung des Projekts vergangene Woche stand Dr. Rita Bake von der Landeszentrale für politische Bildung die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben:  Einige Tage zuvor hatten Rechtsextremisten in Greifswald Stolpersteine aus Gehwegplatten gerissen. „Wir verurteilen dieses Schandtat aufs Äußerste. Umso wichtiger, mit diesem Projekt ein Zeichen gegen Rechts zu setzen“, sagte Bake und lobte das Engagement der beiden 24-Jährigen, die in Hamburg Medienwissenschaften studieren.
Die Biografien und persönliche Aufzeichnungen der Opfer werden bei dem Projekt von professionellen Sprechern eingesprochen. Der Schauspieler Tim Kreuer gab Liddy Bacroff seine Stimme.
Sarah Dannhäuser und Marta Werner würden das Projekt gerne fortsetzen und haben dabei die Unterstützung der Hamburger Verantwortlichen. Zunächst aber müssen die beiden Anfang kommenden Jahres ihr Examen absolvieren.
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