Er will nicht mehr, aber vielleicht muss er

Altonas Jürgen Warmke-Rose, Hamburgs einziger Bezirksamtsleiter ohne SPD-Parteibuch, meistert in Zeiten des Sparzwangs eine schwierige Aufgabe und wird quer durch die Fraktionen geschätzt.

Bezirksamtsleiter Jürgen Warmke-Rose hört auf. Oder nicht?

Er will nicht mehr. Jürgen Warmke-Rose, parteilos, Altonas Bezirksamtsleiter seit 2007, möchte im Sommer turnusgemäß abtreten. Ob man ihn aber ziehen lässt?
Was passiert, wenn sich, wie es im Moment aussieht, die rot-grüne Koalition nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen kann? Oder wenn keiner der Bewerber bei der Wahl Ende Mai die verlangte Mehrheit erhält? Die Chance besteht, dass Warmke-Rose dann noch einmal ans Ruder muss.
In der Altonaer Bezirksversammlung, bekannt für chaotische und schiefgegangene Wahlen und Abwahlen von Bezirksamtsleitern, hat man wohl geahnt, dass es nicht leicht wird, einen mehrheitsfähigen neuen Kandidaten zu finden.
Warum sonst hätten die Grünen, unterstützt von CDU, Linken und der FDP, im Sommer bei der Formulierung der Stellenausschreibung zum Bezirksamtsleiter dafür votiert, einen Satz zu entfernen, den Jürgen Warmke-Rose gerne eingefügt hätte? Dieser Satz lautet: „Der gegenwärtige Amtsinhaber strebt keine Wiederwahl an“.
Sollte tatsächlich kein Neubewerber die Mehrheit der Stimmen in der Bezirksversammlung auf sich vereinen können, so muss Warmke-Rose vielleicht aus der Patsche helfen. Es gilt als sicher, dass der quer durch die Fraktionen geschätzte Bezirksbürgermeister mit einer Mehrheit aus CDU, Grünen, Linken und FDP gewählt würde.
Ein Termin könnte es ihm leichter machen, sich zur Verfügung zu stellen: Im Juni 2014 werden die Bezirksversammlungen neu gewählt.
Was für jeden anderen Bewerber einen Unsicherheitsfaktor darstellt - es droht bei Veränderung der Mehrheitsverhältnisse eine Abwahl fünf Jahre vor Ende der regulären Amtszeit von sechs Jahren -, könnte für Jürgen Warmke-Rose die Chance bedeuten, nur noch ein weiteres Jahr an seinen Altonaer Schreibtisch gefesselt zu sein.

DasWochenblatt fragt, Jürgen Warmke-Rose antwortet

EW: Ist es überhaupt möglich, gewählt zu werden, wenn man nicht gewählt werden möchte?
WR: „Ja, es ist möglich gewählt zu werden, aber die Wahl muss von dem Gewählten angenommen werden.“
EW: Warum stellen Sie sich nicht wieder zur Wahl?
WR: „Angesichts des Haushaltsplanentwurfes des Senats und des Bürgerschaftsbeschlusses zum Haushalt 2013/2014 möchte ich mich nicht als Abbruchunternehmer der Hamburger Bezirksverwaltung betätigen müssen.“
EW: Was könnte Sie dazu bringen, sich doch wieder zu stellen?
WR: „Die Rekommunalisierung der Stadt Altona.“
EW: Rekommunalisierung? Bedeutet das, Hamburg gesteht dem Bezirk Altona wieder mehr Selbstständigkeit zu?
WR: Diese Interpretation würde mir zumindest Anlass geben, nachzudenken – hier scheint sich ja aber keine Änderung hinsichtlich rechtlicher und finanzieller Situation abzuzeichnen.
EW: Der wichtigste Tipp für einen eventuellen Nachfolger?
WR: „Augenmaß, Gelassenheit, Zuwendung zu den Mitarbeitern und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bezirksversammlung.“
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