Endlich ein bisschen Ruhe

Andreas (30), aus Ghana geflüchtet, aus Libyen geflüchtet und über Italien in Hamburg gelandet. Zurzeit hat er Unterschlupf in der St. Pauli Kirche gefunden.
 
Am späten Nachmittag: Decken und Kissen für die Übernachtung im Kirchenraum.

Rund 70 afrikanische Flüchtlinge sind in der St. Pauli Kirche untergekommen.

Andreas aus Ghana ist 30 Jahre alt. Sein Leben bisher: ein einziger Existenzkampf ­ – seine Augen blicken müde. Jetzt hat er eine Weile Ruhe gefunden, einen schützenden Hafen: in der St. Pauli Kirche am Pinnasberg.
Afrikaner, die in Libyen gearbeitet hatten, flohen vor Revolutionswirren und Bombardements 2011 übers Mittelmeer nach Italien. Zwei Jahre irrten sie dort herum, bis der italienische Staat sie unrechtmäßig nach Hamburg weiterschickte. Hier landeten sie ohne jeden rechtlichen Status auf der Straße. Wie viele es genau sind, ist nicht klar - die Zahlen reichen von 100 bis 300.
Wie mit ihnen verfahren? Für die Stadt sind sie ein heißes Eisen, ein Problem. Die Flüchtlinge drohen aufgerieben zu werden zwischen politischen und juristischen Bedenken. Verhandlungen zwischen Kirche und Politik scheiterten.
Jenseits aller politischen Erwägungen, aus Pflicht zur Nächstenliebe, öffneten Pastor Sieghard Wilm und seine Gemeinde die Türen der St. Pauli Kirche. Im Kirchenraum schlafen jetzt jede Nacht mehr als 70 afrikanische Flüchtlinge. Tagsüber türmen sich blaurot-karierte Decken und Kissen zu einem Berg. Freiwillige Helfer sortieren Spenden, kochen Essen; die afrikanischen Flüchtlinge packen an, wo sie können.
Im Zelt im Kirchgarten kommen Besucher vorbei, unterhalten sich auf Englisch mit den Afrikanern.
Aber auch das schlaucht. Andreas’ spontane Reaktion, als die Wochenblatt-Reporterin mit ihm sprechen will: „Ich habe heute so viel erzählt und Fragen beantwortet. Ich kann nicht mehr!“ Doch dann sprudelt es aus ihm heraus: Dass er damals mit seinem Bruder aus Ghana nach Libyen geflohen sei, weil sie in der Heimat bedroht worden seien. Er erzählt von der Flucht aus Libyen: „Alle Grenzen waren zu, wir konnten nur noch übers Meer weg“. Dass er sich Sorgen macht um seinen Bruder, der zuletzt in Bengasi gearbeitet hat. Dass die zwei Jahre in Italien furchtbar gewesen seien. Sie hätten es geschaff, sich zu organisieren und für ihre humanitären Rechte demonstriert, aber es habe keine Reaktionen, keine Hilfe gegeben. „Nein, auch nicht von der Kirche.“ Dass er jetzt endlich schlafen kann, sich ausruhen.
Wie geht es weiter? Andreas zuckt mit den Schultern: „Nobody knows.“ Keiner weiß es.

Appell von Pastor Sieghard Wilm, Pastor und
Gemeinderatsvorsitzender der St. Pauli Kirche:
„Wir brauchen euch, damit wir weitermachen können mit unserer humanitären Nothilfe. Geldspenden können auf unser Spendenkonto mit dem Vermerk „Afrikaner“. Wer eine Spendenquittung braucht, gibt bitte seine Adresse an. St. Pauli Kirche, Spendenkonto: 1206 123 331, Haspa BLZ 200 505 50.
Sachspenden brauchen wir: intakte Männerschuhe ab Größe 42, gefütterte oder wasserabweisende Jacken, originalverpackte Socken und Unterwäsche, Rucksäcke und Taschen, Schlafsäcke, Isomatten, Klappmatratzen, Schreibmaterial und Wörterbücher, Einmalgeschirr. Hygieneartikel, wie Duschzeug, Einwegrasierer, Rasierschaum, Zahnbürsten, Zahnpasta. Bitte abgeben bei der „Botschaft der Hoffnung“ im Kirchgarten. Dort wird eine Delegation der afrikanischen Gäste sein. Sie freuen sich auf Besuch. Selbst gebackener Kuchen ist willkommen.
Ehrenamtliche Mitarbeit brauchen wir. Wer macht Frühstück? Wer macht Abendimbiss? Wer bleibt über Nacht, um die Gäste zu schützen? Dazu bitte morgens um 8 Uhr oder abends um 21 Uhr in die Kirche kommen und sich dann verpflichten.
Bitte weitersagen! Ihr macht unseren Gästen und uns so viel Mut. Gott segne Euch!
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