Elf Puffs und ein Swinger Club

In allen Häusern, die Dieter Rimbach aus seinem Fenster sehen kann, bieten Frauen ihre Dienste an.
Monika und Dieter Rimbach haben 22 Jahre lang in einer gutbürgerlichen Gegend gewohnt. „Aber seit ein paar Jahren ist das hier das St. Pauli von Bahrenfeld“, versucht Rimbach zu scherzen. Dabei ist ihm gar nicht nach Scherzen zumute. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, zieht ein Puff nach dem anderen ein.
Im Dreieck von-Sauer-Straße, Bahrenfelder Chaussee und Straußstraße blinken Tag und Nacht bunte Leuchtschilder in den Fenstern: „Open“ bedeutet: die Vickys, Melanies und Rubys sind bei der Arbeit. Auf einem fünfminütigem Rundgang zählt die Wochenblatt-Redakteurin ein Dutzend einschlägige Etablissements: elf Puffs - Modellwohnungen - und einen Swinger Club. „Morgens um 9 stehen die Herren bei uns im Hauseingang und suchen nach Namen auf den Klingelschildern, nachts hört man drüben Schreie und Tumulte, wir haben immer wieder Polizeieinsätze, und Frauen, die hier langgehen, werden angemacht. Das ist doch Schweinkram“, sagt Rimbach.
Wer wegziehen kann, tut es - wie Fassmalerin Jill Fenck und Raumausttattermeisterin Kathrin Mohrdieck. Jill Fenck: „Das Umfeld wird immer schlimmer; das passt nicht zu unseren Kunden. Ab 31. März sind wir in der Oelkersallee. Wir sind total erleichtert.“
Wie kann ein Quartier so verkommen? Die Antwort: Das gesamte, 0,8 Hektar große Gelände soll neu bebaut werden. Bauherr ist die Von-Sauer-Straße-Projektentwicklungsgesellschaft mbH & Co KG. Den städtebaulichen Wettbewerb hat im November das Büro Bieling Architekten gewonnen.
Doch damit gebaut werden kann, müssen mit einem neuen Bebauungsplan erst die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. Das wird mindestens anderthalb Jahre dauern.
Oder länger - denn die Von-Sauer-Projektentwicklungsgesellschaft hat noch nicht alle Grundstücke beisammen. Zwei Grundstücksbesitzer haben sich noch nicht überreden lassen, zu verkaufen. Einer ist Reifenhändler Jens Gruschka. Der ist übrigens nicht unglücklich über seine neuen Nachbarinnen : „Für mich ist das nicht schlecht, wenn hier nachts Trubel ist. Da kann ich sicher sein, dass niemand ungehindert über mein Gelände schleicht.“
Fazit: Solange das Quartier nicht entwickelt wird, bietet der Eigentümer seine leeren Häuser und Wohnungen weiter Zwischenmietern an. Und Rotlicht zahlt am meisten.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.