Eisdiele in der Millerntorwache?

Eine Eisdiele in der Millerntorwache - ein Sakrileg? (Foto: Fotos: BirgitH/pixelio / cvs/ Dieter Schütz/pixelio)

CDU dagegen - dabei würde das teuer sanierte Häuschen erstmals richtig genutzt.

Von Christopher von Savigny.
Wer ein ganzes Haus versetzt, muss gute Gründe dafür haben – und ein dickes Portemonnaie: Rund 320.000 Euro kostete 2004 die Verlegung und Sanierung der städtischen Millerntorwache. In einer spektakulären Aktion war das 180 Tonnen schwere und nur 24 Quadratmeter große Gebäude per Spezialkran vom Straßenrand an die Grenze zu den Wallanlagen verlegt worden. Neuer Eigentümer ist seither das Museum für Hamburgische Geschichte. Ein wichtiges Zeugnis der Stadthistorie sollte auf die Weise vor dem Verfall gerettet werden.
Doch in den acht Jahren danach kam nichts mehr: Konzepte wurden erarbeitet und wieder verworfen – das Gebäude sei für Ausstellungszwecke zu feucht, hieß es. Außerdem muss das Museum sparen.
In diesem Jahr dann ein neuer, sehr überraschender Vorschlag: Man sei in Kontakt mit einem Eisdielenbetreiber, so die Info aus dem Museum. Offenbar war man froh darüber, das 1819 erbaute Gebäude mit seinen dorischen Säulen wenigstens in irgendeiner Form nutzen zu können. Inzwischen ist jedoch auch dieses Thema schon wieder halbwegs vom Tisch: „Es gibt zwar einen konkreten Interessenten, aber die Sache ist gestoppt worden, weil die Politik etwas dagegen hat“, sagt Helmut Sander, Vorsitzender der Stiftung Historische Museen Hamburg.
Hauptgegner des Vorhabens ist Dietrich Wersich, Vorsitzender und kulturpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion. „Es ist traurig, wie der gegenwärtige SPD-Senat mit Hamburgs historischem Erbe umgeht.“ Wersich schlägt stattdessen vor, eine Dauerausstellung zur Hamburger Befestigungsgeschichte einzurichten. Mit einem entsprechenden Antrag Wersichs befasst sich Mitte August die Hamburgische Bürgerschaft.
Finanziert worden war die Verlegung und Sanierung der Millerntorwache von der Stiftung Denkmalschutz und von Sponsoren wie etwa dem Hamburger Lions Club – offenbar mit der Maßgabe, das Häuschen als Museum zu nutzen.
Jetzt muss der Stiftungsrat der Hamburger historischen Museen über das Schicksal des Gebäudes entscheiden. Nächste Sitzung ist erst wieder im Herbst.

Und Ihre Meinung?
Eine Eisdiele in der Millerntorwache - das geht auf gar keinen Fall! Lieber gar nichts, als das schöne historische Gebäude so zu verhunzen!
Ist das Ihre Meinung? Oder sagen Sie:
Der Bau war ja früher kein Tempel, sondern nur ein Wachhäuschen! Was ist also so schlimm daran, heute eine Eisdiele darin unterzubringen? Dann würden wenigstens viele Menschen Nutzen davon haben und vielleicht auch mal einen näheren Blick auf das historische Gebäude werfen!
Senden Sie uns bitte Ihre kurz begründete Meinung, Stichwort „Eisdiele“, an: Elbe Wochenblatt, Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg. Fax: 85 32 29 39. Per E-Mail mit dem Betreff „Eisdiele“ an: post@wochenblatt-redaktion.de
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