Einfach drauflos geschossen

30-Jährige vor Gericht: „Ich wollte niemanden verletzen“

Von Christopher von Savigny.
Das Tatwerkzeug ist wohl das Ungewöhnlichste, womit sich das Gericht in diesem Fall zu beschäftigen hat: Es handelt sich um eine vierläufige Pistole der Marke Derringer – bekannt in erster Linie als Lieblingswaffe von Pokerspielern in Westernfilmen. Aufgrund seiner geringen Größe findet der kleine Ballermann mühelos unter einem Hut oder in einem Hemdsärmel Platz.
Woher Cigdem G. (30) damals ihren Derringer hervorzauberte, kann sie sich heute nicht mehr erklären. „Ich weiß es einfach nicht“, lässt sie ihre Anwältin verlesen. Überhaupt will die junge, zart gebaute Frau, die jetzt auf der Anklagebank des Landgerichts Hamburg sitzt, den Vorfall vom November 2007 vor der Diskothek „Juice Club“ in der Stresemannstraße am liebsten verdrängen. Sie sei damals „ins Milieu abgerutscht“ und habe unter anderem als Prostituierte gearbeitet. „Ich ließ mich leicht aus dem Gleichgewicht bringen“, sagt sie. Inzwischen lebe sie in einer festen Beziehung und mache ihren Schulabschluss nach.
Tatsache ist: An dem betreffenden Abend feuerte sie mit ihrer Waffe vor dem Lokal dreimal hintereinander auf Diskobesucher Denis Y. – der zum Glück nicht getroffen wurde. Im „Juice Club“ war es kurz zuvor zum Streit zwischen zwei Besuchergruppen gekommen. Offenbar hatte man sich bereits bei anderer Gelegenheit gezofft – bei dem zufälligen Treffen flammte der Streit wieder auf. „Mein Freund wurde mit einer Eisenstange angegriffen, ich wollte mich wehren“, berichtet G.. Verletzen wollen habe sie jedoch niemanden. „Alle sollten einen ordentlichen
Schrecken bekommen“, so G. Das Gericht wirft der Angeklagten außerdem vor, eine weitere Besucherin geschlagen und gebissen zu haben.
Zeuge Denis Y. (33) räumt ein, seine Kontrahentin mit den Worten „Halt die Fresse, du dumme Schlampe“ beleidigt zu haben. Dann habe sie auch schon geschossen. „Ihr Arm zielte direkt auf mich!“ Seither leide er unter Schlafproblemen.
G. hat bereits einige Einträge in ihrem Strafregister – unter anderem wegen Betrugs. Der Fall war vom Amtsgericht Altona weiter verwiesen worden – ein Grund dafür, dass erst knapp fünf Jahre später darüber entschieden wird. Nun soll das Urteil am Mittwoch, 29. August, fallen.
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