Eine warme Mahlzeit und ein gutes Wort

Eine warme Mahlzeit und ein gutes Wort - dafür stehen viele Menschen lange an.

500 Hilfsbedürftige essen täglich in der „Alimaus“ - Immer größerer Zustrom aus Osteuropa.

Marco Tripmaker, Altona
Wer es aus der langen Schlange vor dem Holzhaus am Nobistor nach drinnen geschafft hat, riecht gebratenes Hähnchen mit überbackenem Nudelauflauf. Und sieht vor allem Schwester Clemensa (71). Ein vertrautes Gesicht im einsamen und aussichtslosen Alltag vieler Besucher. Jedem drückt die Thuiner Franziskanerin und Leiterin der „Alimaus“ eine Tasse mit Besteck in die Hand. Dann sucht sie einen freien Platz im prall gefüllten Speiseraum. „Danke Oma!“, ruft ein Gast herüber. Andere schenken Schwester Clemensa Möller einfach nur ein dankbares Lächeln.
Jeden Morgen in der Woche bekommen arme Menschen in der „Alimaus“ ein deftiges Frühstück, am Nachmittag gibt es eine warme Mahlzeit. Sogar am Sonnabend öffnen sich die Türen der Essensausgabe. „Der Bedarf ist groß. Wir verköstigen jeden Tag 500 Besucher, immer mehr kommen aus Osteuropa. Aber auch viele einsame Menschen aus den benachbarten Hochhäusern suchen hier ein wenig Gesellschaft“, sagt Schwester Clemensa. Bis zu zehn Ehrenamtliche helfen pro Mahlzeit. Den ganzen Vormittag ist der „Alimaus“-Bus in Hamburg unterwegs, um Essensspenden von Bäckereien, Supermärkten und Restaurants einzusammeln. Diese werden dann zu leckeren Mahlzeiten verarbeitet.
Jeder darf das Angebot der „Alimaus“ nutzen, deren Träger der seit 20 Jahren bestehende Hilfsvereins St. Ansgar ist. Neben der Essenausgabe gibt es auch eine Kleiderkammer, Duschen sowie medizinische Hilfe und Versorgung.
Schwester Clemensa und ihr Team haben für alle ein offenes Ohr. Ein verzweifelter Gast macht sich angesichts sinkender Temperaturen Sorgen um einen Schlafplatz. „Alle Obdachlosenheime sind gnadenlos überfüllt“, sagt er ohne viel Hoffnung.
„Ich weiß, dass es schwierig ist im Moment. Aber fragen Sie nochmal in der Bahnhofsmission nach. Manchmal haben sie dort eine Idee“, empfiehlt Schwester Clemensa. Schlafen dürfen die Menschen in der „Alimaus“ nicht, streng verboten ist Alkohol. „Das zerstört hier nur die Atmosphäre und führt zu Streit“, weiß die Ordensschwester, die den Menschen ohne Dach über dem Kopf ein Gefühl des Zu-Hause-Seins vermitteln will.
Was sie zu ihrem außergewöhnlichen Engagment antreibt erklärt Schwester Clemensa gewohnt bescheiden: „Es gibt Menschen, die dringend Hilfe brauchen, und ich habe die Möglichkeit zu helfen. Das passt also.“
www.alimaus.de
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