Eine Entführung?

Schlechtes Wetter, gestresste Leute... ein Sonnabend im Advent in der Ottenser Hauptstraße.
Jetzt mal eine Frage in eigener Sache an die Leser: Was hätten Sie an meiner Stelle gemacht?
Folgende Situation: Sonnabendmittag vor dem Mercado. Kleiner Junge, etwa vier Jahre alt in froschgrünem Anorak, wird von großem, starken Mann, fest an der Hand gepackt, die Ottenser Hauptstraße lang und dann um die Ecke in die Stangestraße geschleift. Kind wehrt sich und brüllt aus Leibeskräften: „Mama! Mamaaa!“ Mann - Brille, Dreitagebart - starrt versteinert geradeaus. Alles guckt, keiner tut was.
Und wenn der nun das Kind entführt? Ich gehe hinterher. Tippe den Mann auf die Schulter und stottere: „Es ist mir ja peinlich, aber sicher ist sicher: Ist das Ihr Kind?“
Der Mann guckt mich von oben bis unten an - wenn Blicke töten könnten, hätten Sie jetzt keine Altona-Redakteurin mehr. Er würdigt mich keines Wortes, greift die Hand des Kleinen noch ein bisschen fester, wendet mir den Rücken zu und geht schnellen Schrittes - das Kind brüllt immer noch „Mama“ - davon. Ich bleib stehen und mache - gar nichts.
Montagmorgen Anruf bei der Polizei: Erleichterung! Es ist kein Kind im froschgrünen Anorak verschwunden. Aber - was soll man tun in solch einer Lage?
Der nette Beamte am Telefon rät:„Immer die Polizei anrufen! Wir fordern ja, dass der Bürger mit aufpasst. Natürlich ist es so, dass in 99 von 100 Fällen der ‘Entführer’ ein entnervter Vater ist, der noch entnervter wird, wenn die Polizei kommt. Trotzdem: Wenn man ein schlechtes Gefühl hat, die Polizei holen!“ Und dann fügt er hinzu: „Als Vater von drei Kindern sag ich dazu: Kinder können schrecklich nerven - aber so geht man nicht mit einem kleinen Menschen um. Das kriegt der Vater dann vielleicht auch mit.“
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