Ein Querkopf hört auf

Kritiker, Mahner, Querdenker: Pastor Ulrich Hentschel (65). Foto: cvs

Ulrich Hentschel, Pastor der Kulturkirche, geht in den Ruhestand.

Von Christopher von Savigny. Wie er als Pastor an die Altonaer Johanniskirche kam, weiß Ulrich Hentschel auch heute noch haargenau zu erzählen. „Zunächst hatte ich mich beworben, wurde aber abgelehnt“, berichtet der 65-Jährige. Dann ging der neue Kirchenpastor schon nach einem Dreivierteljahr wieder von Bord: Ulrich Hentschel bekam die Stelle doch.
18 Jahre lang, von 1992 bis 2010, hat Hentschel, immer als Kritiker und Querdenker bekannt, das Gotteshaus an der Sternbrücke geleitet und seine Entwicklung maßgeblich beeinflusst. Nun geht er in Pension: Mit einem Gottesdienst in der Christianskirche feiert der Pastor am 3. Oktober seinen Abschied vom Kirchendienst (siehe unten).

„Das war eine unglaubliche Verantwortung!“


Hentschels beruflicher Lebensweg begann mit einer Vikariatsstelle in Harburg (1975 bis 1977), danach ging er als Pastor nach Rellingen (1977 bis 1980). Im Anschluss an seine aktive Pastorenzeit gründete er die „Arbeitsstelle Gerechtigkeit, Frieden und
Bewahrung der Schöpfung“ im Kirchenkreis Stormarn (1981 bis 1988), bevor er nach einigen unterschiedlichen Dienstaufträgen an die Johanniskirche kam.
Dort wurde ihm als gleich als erstes eine Riesenaufgabe angetragen: Das backsteinerne Gotteshaus musste dringend saniert werden - Kostenpunkt: 3,5 Millionen D-Mark. „Das war eine unglaubliche Verantwortung“, sagt Hentschel. Eine Verantwortung, die der Pastor nur tragen konnte, indem er die Kirche für Veranstaltungen öffnete und auf die Weise Sponsoren gewann.
Wochentags fanden hier Modenschauen und Diskotheken statt, Sängerin Nena feierte in der Kulturkirche ihren 50. Geburtstag.
Der Sonntag blieb dem Gottesdienst vorbehalten. Positiver Effekt: „Wir haben als Gemeinde die Kirche viel intensiver genutzt“, sagt Hentschel. Kritikern, die ihm Kommerzialisierung vorwarfen, entgegnete er, nicht die Kirche sei heilig, sondern die Menschen. Inzwischen hat sich das Konzept der Kulturkirche längst etabliert, eine eigens gegründete GmbH kümmert sich um das Programm, das sich aus Konzerten und Lesungen zusammensetzt.
Die letzten Jahre arbeitete der Ottenser als Studienleiter zum Thema „Erinnerungskultur“ und setzte unter anderem eine Kontroverse über Kriegerdenkmäler in Gang. Über seinen Ruhestand sagt Hentschel: „Ich nehme mir erstmal ein bisschen Zeit, aber ich werde sicher nicht stehen
bleiben.“

Abschiedsgottesdienst

am Sonnabend, 3. Oktober, um 16 Uhr in der Christianskirche, Ottenser Marktplatz 6. Die Leitung hat Landesbischof Gerhard Ulrich.
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