Ein Heizkraftwerk im Altonaer Hochbunker – Der KEBAP e.V. geht die Energiewende an

   

Wärmeerzeugung lokal und umweltfreundlich. Das ist das Motto des KEBAP e.V. Die Mitglieder des Vereins arbeiten seit 2011 an einem Projekt, das Energiewende und kulturelles Engagement verbindet. Eine große Hürde nahmen sie diesen Sommer. Die in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie stellt fest: Das Konzept geht auf.

Den meisten Bewohnern ist das 2011 gegründete „Kultur Energie Bunker Altona Projekt“, kurz KEBAP e.V. durch das Urban Gardening Projekt am Hochbunker in der Schomburgstraße 6 ein Begriff. Der gemeinschaftlich angepflanzte Garten ist über die Jahre gewachsen und hat viele Befürworter und Helfer gefunden.
Nebenbei aber arbeitet der KEBAP e.V. seit drei Jahren an einem weniger bekannten aber umso ehrgeizigeren Projekt. Kurz gesagt: Der Verein will den Hochbunker mit einem Projekt für die Hamburger zugänglich machen, das Energie und Kultur miteinander vereint.
Genauer gesagt: Der eigentlich aus zwei direkt aneinander angrenzenden Bunkern bestehende Komplex soll auch zweierlei genutzt werden. Auf einer Fläche von jeweils 5000 m²¬ sollen zum einen kulturell nutzbare Räume zur Verfügung gestellt werden. Angedacht sind Proberäume für Bands, eine Gemeinschaftsküche, Repaircafés und Ausstellungsräume mit originaler Bunkereinrichtung. Zum anderen – und das eigentliche Herzstück des Bunkers – plant der KEBAP e.V. eine Heizzentrale in Betrieb zu nehmen. Das Besondere: Die Anlage soll mit holzartiger Biomasse befeuert werden.
Um zu verstehen was hinter der Idee steckt, muss man sich nur die Anfänge des Vereins ansehen. Der KEBAP e.V. entstand 2011 aus der Bürgerinitiative „Moorburgtrasse-stoppen“. Die Aktivisten setzten sich damals gegen die Pläne Vattenfalls ein, das geplante Kohlekraftwerk Moorburg mit einer Fernwärmeleitung zu versehen, die quer durch die Stadt, u.a. auch Altona, führen sollte. Die langjährigen Bauarbeiten hätten dabei die Zerstörung zahlreicher Bäume und Parkanlagen bedeutet. Das Engagement in der Initiative führte die Mitglieder zu der Überlegung, wie sich Energie im urbanen Raum regenerativ und mit regionalen Ressourcen erzeugen lässt. Im Falle Hamburgs lag die Antwort auf der Hand: Grünschnitt, nämlich das, was in den zahlreichen Parkanlagen anfällt. Also: Warum nicht eine mit holzartiger Biomasse betriebene Heizzentrale anlegen? Vorstands- und Gründungsmitglied Mirco Beisheim erklärt: „Alles was wir machen wollen gibt es schon, aber keiner hat sich bis jetzt die Mühe gemacht zu sagen man betreibt es auf die Art und Weise, damit die Energiewende maximal zu unterstützen.“

Alte Technologie, neues Konzept


Konkret funktioniert die Anlage folgendermaßen. Die angelieferte holzartige Biomasse wird nicht verbrannt sondern in einem sogenannten Pyrolysereaktor erhitzt. Das dabei entstehende Holzgas wird im Falle von KEBAP in 2 kleine Blockheizkraftwerke, kurz BHKW, geleitet und dort als Brennstoff verwendet. Das Gute an der Methode der Holzvergasung statt der üblichen Verbrennung ist, dass sie die Feinstaub-Emissionen auf ein Minimum reduziert, CO2 neutral ist und damit umweltschonend Energie erzeugt.
Mirco Beisheim betont, die Biomasse-Anlage solle sich zwar wirtschaftlich rentieren, aber nicht zwanghaft auf maximaler Leistung laufen. Aktuell sieht der Plan die Anlieferung von drei LKW-Ladungen Biomasse täglich vor, weil der KEBAP e.V. die Verkehrsbelastung gering halten will. Natürlich ist die Logistik in einem solchen Wohngebiet kompliziert, aber das sehen die Beteiligten als Herausforderungen. „Wir machen das bewusst hier, in der Stadt. Das ist kein Hemmnis, sondern wir freuen uns darüber. Viele Leute verbrauchen alltäglich Energie, wissen aber gar nicht wo die herkommt und wir wollen das hier direkt zum Anfassen machen – eine Heizzentrale zum Anfassen.“, schmunzelt Mirco Beisheim.
Zusätzlich zu dem Holzvergaser-System will der KEBAP e.V. im Bunker ein separates erdgasbetriebenes BHKW in Betrieb nehmen. Die Verhandlungen mit einem Energieversorger, der den Bunkerstrom als Ergänzung zu den eigenen Windkraftanlagen in windschwachen Zeiten nutzen möchte, laufen bereits. Wie beim Holzvergaser-System wird die bei der Stromerzeugung produzierte Wärme des Erdgas-BHKW gespeichert und bei Bedarf in die Haushalte weitergeleitet.
Nach diesem Plan beherbergt die Heizzentrale im Bunker insgesamt drei Teilanlagen: ein Holzvergaser-System mit zwei kleinen BHKW, ein gasbetriebenes BHKW und einen zentralen Warmwasserspeicher.
Obwohl die Technologie bereits lange bekannt ist, stellt die Anlage des KEBAP e.V. momentan ein deutschlandweites Pilotprojekt dar. Die damit verbundene umfangreiche Planung sei vielen großen Anbietern zu aufwendig und daher unrentabel, so Mirco Beisheim. Die Mitglieder des KEBAP e.V. hätten, gerade weil sie ehrenamtlich arbeiten, viel Zeit und Motivation, ein ganzheitliches Konzept zu entwickeln.

Das Projekt ist technisch und wirtschaftlich machbar


Der Verein meisterte im Juli dieses Jahres einen ersten wichtigen Schritt in Richtung Verwirklichung. Grund dafür war eine sogenannte Machbarkeitsstudie, bei der es darum ging zu prüfen, ob die geplante Anlage sowohl technisch als auch ökonomisch umsetzbar ist. In Co-Finanzierung mit dem Bezirk Altona, übergab der KEBAP e.V. die Verantwortung der Prüfung an die Firma „Averdung Ingenieure“. Das Fazit: Die Anlage ist wirtschaftlich sowie technisch machbar und die Fernwärmepreise konkurrenzfähig. Das ist besonders deshalb wichtig, weil KEBAP e.V. plant, sich in das Hamburger Netz einzuspeisen und eigene Kunden zu versorgen. Laut Rechnungen könnten mit der Anlage bis zu 2200 Haushalte mit Fernwärme beliefert werden.
Trotz des Erfolges der Machbarkeitsstudie liegt eine Inbetriebnahme der Anlage noch in weiter Ferne. Zunächst muss in einer weiteren Studie geklärt werden, mit welchen Kosten der Umbau des „Kultur-Bunkers“ verbunden ist. Momentan arbeitet der KEBAP e.V. daran, das Projekt im und außerhalb des Stadtteils bekannter zu machen. Denn die nächste Studie wird voraussichtlich Mitte 2016 stattfinden. Bis dahin wollen die Vereinsmitglieder Vorschläge und Visionen der Bewohner mit in das Konzept einarbeiten: „Wir wollen ja ganz bewusst Aktivität wecken und deshalb nimmt das Teil unserer Arbeit ein, uns zu überlegen, wie können wir Leute dazu bringen Ideen zu entwickeln und an uns heranzutragen.“ bekräftigt Mirco Beisheim.
Gleichzeitig verhandelt der KEBAP e.V. mit dem Bezirk Altona und dem Eigentümer des Bunkers, der „Bundesanstalt für Immobilienaufgaben“, der BImA, über den Verkauf des Bunkers. Ziel ist dabei nicht die Übernahme durch den KEBAP e.V., sondern vielmehr durch die Stadt. Damit will der Verein eine Privatisierung der Immobilie verhindern.
Ein langer Weg, den der KEBAP e.V. noch vor sich hat, aber das schreckt Mirco Beisheim nicht ab: „Es war von vornherein klar, dass es für lange Jahre ausgelegt sein wird und dass wir einen langen Atem haben müssen.“ Nach der bestandenen Machbarkeitsstudie jedenfalls haben die Aktivisten des KEBAP e.V. allen Grund optimistisch in die Zukunft zu blicken. Und wenn alles glatt läuft nimmt der Bunker in der Schomburgstraße 6 vielleicht 2018 seine mit Biomasse betriebene Heizanlage in Betrieb.
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2 Kommentare
6
Michael Feldmann aus Neuland | 14.10.2015 | 11:50  
68
Mirco Beisheim aus Altona | 15.10.2015 | 12:30  
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