„Ein fauler Kompromiss“

„Was hat Vorrang? Die betriebswirtschaftlichen Interessen der Bahn AG oder diejenigen der Bevölkerung?“, fragt Michael Jung von der Initiative Prellbock Altona. Foto: GE

Initiative Prellbock fordert weiterhin öffentliche Diskussion über
Verlegung des Altonaer Fernbahnhofs zum Diebsteich

Gerd Eichbaum, Altona

Trotz oder gerade wegen der grundsätzlichen Einigung von Bahn AG und Stadt über den am S-Bahnhof Diebsteich geplanten neuen Fernbahnhof hört die Kritik am Umzugsprojekt nicht auf. „Das Ganze ist ein fauler Kompromiss, der nichts an der Unsinnigkeit des Projekts ändert“, kommentiert Michael Jung von der Bürgerinitiative „Prellbock Altona“ die nun bekannt gewordenen Einzelheiten in aller Klarheit.
Anfang März 2016 hatte die Bürgerschaft mit großer Mehrheit eine „gleisüberspannende Überdachung der wesentlichen Bahnsteigbereiche“ gefordert. Überdies ein „städtebaulich anspruchsvolles Bahnhofsgebäude“, schließlich sei Hamburg „kein Kuhkaff“, so der scheidende Oberbaudirektor Jörn Walter gewohnt markig.
Bahnsteighalle hätte
36 Millionen Euro gekostet

Übrig geblieben ist davon nicht viel. Eine Bahnsteighalle will die Bahn AG nicht bauen. Die würde 36 Millionen Euro Mehrkosten verursachen, ein neues Planfeststellungsverfahren erfordern und in der Folge eine spätere Inbetriebnahme als die für Ende 2023 geplante. Risiken, die die Stadt hätte übernehmen müssen.
Die Drohkulisse zeigte ihre beabsichtigte Wirkung. Der Kompromiss sieht längere und schickere Bahnsteigdächer entsprechend denen am Dammtor vor, unter denen auch ein Vollzug der S-Bahn halten kann. Die „architektonische Qualität“ des Empfangsgebäudes, dessen zentraler Bestandteil zwei unterschiedlich hohe Hochhaustürme sind, soll der Investor durch eine europaweite Ausschreibung gewährleisten.
„Teurere Bahnsteige helfen nicht. Was wir brauchen, sind pünktliche Züge und günstige Tickets. Und ein Planfeststellungsverfahren gibt es noch gar nicht“, so Jung. Die Mehrkosten könne die Bahn AG durch höhere Stationsentgelte wieder ‘reinholen. Die würden zu 80 Prozent den Nahverkehr des HVV betreffen.
Zudem verwies Jung darauf, dass die Bahn AG die Kritikpunkte an der Verlegung auch auf einer öffentlichen Veranstaltung nicht entkräften konnte. „Wir fordern eine breite öffentliche Diskussion, die Bahn AG und Stadt, die im stillen Kämmerlein verhandeln, bisher weitestgehend verweigert haben.“
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