Ein-Euro-Jobber wollen weitermachen - unbezahlt

Olaf Barth, Heike Julitz, Ilonka Kock-Schnick, Nina Depperschmidt, Arne Heinen-Lokau, Torsten Petrich, Günter Schnick und Yvonne Latermann (v.l.) wollen das Strandläufer-Projekt als Verein weiterführen. Rechts: der Bauwagen, in dem sich die Strandläufer aufwärmen, Tee und Kaffee trinken. (Foto: rs)

Strandläufer von Oevelgönne wollen Verein gründen

Von Reinhard Schwarz. Sie sind die guten Menschen vom Elbstrand: die Strandläufer. Bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit schauen sie am Strand von Oevelgönne nach dem Rechten, entsorgen Glassplitter, hängen Gassi-Beutel auf, beantworten Fragen von Touristen, melden Vandalismus. Doch zum 31. Dezember ist Schluss (siehe Info-Kasten).
Aber die bisherigen Ein-Euro-Jobber am Oevelgönner Strand wollen ehrenamtlich weitermachen, weil sie nicht untätig zu Hause herumsitzen wollen. Sie haben vor, einen Verein zu gründen.
„Viele Langzeitarbeitslose, die zu uns kamen, fühlten sich nutzlos, waren psychisch am Boden, aber haben sich hier im Laufe der Zeit stabilisiert“, schildert Arne Heinen-Lokau (61) das Lebensgefühl vieler, die nach einem Jahr ohne Arbeit in Hartz IV rutschten. Der Industriekaufmann aus Ottensen wurde arbeitslos, fand keinen Job mehr und kam schließlich über KoALA zum Strandläufer-Projekt. Anfangs hatte er „ein Gefühl von Sinnlosigkeit, doch dann hat sich etwas entwickelt“. Zum Positiven, wie er sagt.
Ähnlich erging es Verkäuferin Heike Julitz (57): „Die Älteren haben die Jüngeren mitgezogen. Es ist nicht einfach, einen Ein-Euro-Job zu machen, wenn man direkt aus dem Berufsleben kommt. Es ist wie ein Schlag ins Gesicht.“ Am Schlimmsten sei die Diskriminierung, sagen beide - das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden und zugleich als „Sozialschmarotzer“ zu gelten. Viele Langzeitarbeitslose hadern mit gesundheitlichen Handicaps wie etwa ein 49-jähriger Gerüstbauer mit kaputtem Kreuz. Oder sie haben Suchtprobleme.
Nun also der Versuch, das Projekt in die eigenen Hände zu nehmen. Heinen-Lokau nennt die Hürden: „Der Verein kann nur tätig werden, wenn Bezirksamt und Hamburg Port Authority die Erlaubnis geben.“ Denn der Elbstrand ist nicht „herrenlos“, zuständig ist das Hafenamt Hamburg Port Authority (HPA). Das Bezirksamt Altona müsste zudem die Genehmigung für die Aufstellung des Strandläufer-Bauwagens verlängern. „Und wir hoffen auf Spenden durch Firmen und Privatpersonen – denn das alles kostet natürlich Geld.“

Das Strandläufer-Projekt des Altonaer Beschäftigungsträgers KoALA endet zum 31. Dezember, weil die Stadt Hamburg die Zahl der Ein-Euro-Kräfte dramatisch zusammen- gestrichen hat. Grund: eine politische Entscheidung in Berlin.
Laut Aram Ockert, Geschäftsführer von KoALA, werden zum 31. Dezember 250 Ein-Euro-Jobs (im Fachjargon „Arbeitsgelegenheiten“) bei dem Altonaer Beschäftigungsträger gestrichen. In 2010 waren es noch 400 solcher Jobs, die von Hartz-IV-Empfängern wahrgenommen wurden, um sich für den Ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Von den Vergütungen für diese Ein-Euro-Jobber wurden insgesamt 50 fest angestellte Betreuer und Bürokräfte finanziert. Davon bleiben laut Ockert lediglich 15 Festangestellte.
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