Ein Bahnhof zieht um - zum Diebsteich

Noch fahren Fernbahnzüge vom Kopfbahnhof Altona wie hier in Richtung Stuttgart. Foto: rs

Entscheidung der Deutschen Bahn sorgt für Jubel - und Kritik

Von Reinhard Schwarz.
Der Fernbahnhof Altona ist noch längst nicht verlegt, schon wird über die Zukunft des Gebäudes diskutiert. Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter spricht von einer „Betonkiste“ und erinnerte an den 1898 errichteten Altbau, der noch eine gewisse „Würde und Ausstrahlung“ besaß.

Wann wurde der jetzige Bahnhof gebaut? 1974 wurde der alte im Gründerzeitstil der wilhelminischen Backsteingotik gebaute zweite Altonaer Bahnhof abgerissen. An seiner Stelle entstand aus Betonfertigteilen der jetzige Bau, der 1979 eingeweiht wurde. Spötter sprachen vom „Einkaufszentrum mit Bahnanschluss“. Ursprünglich beherbergte der Bahnhof als Hauptmieter im ersten Stock eine „Kaufhof“-Filiale, seit längerer Zeit befindet sich dort ein Media Markt.

Was bedeutet die Entscheidung für die neue „Mitte Altona“? Mit der jetzt verkündeten Entscheidung der DB, den Fernbahnhof Altona zum Diebsteich zu verlagern, mag den Kommunalpolitikern ein Stein vom Herzen gefallen sein. Denn das Fell des Bären - sprich die zweite Hälfte des Bahngeländes - war schon längst verteilt, sprich: verplant. Zusätzlich zu den 1.700 Wohnungen, die auf der an der Harkortstraße gelegenen Fläche der „Mitte Altona“ entstehen sollen, waren für das restliche Areal weitere 1.900 Wohnungen fest eingeplant.

Welche Vorteile bietet die Verlagerung für den Bahnverkehr? Die DB ließ sich Zeit mit einer offiziellen Entscheidung, obwohl sie es war, die vor rund zehn Jahren an den Bezirk herangetreten war, den Kopfbahnhof zugunsten eines neuen Fernbahnhofs aufzugeben. Der Vorteil: das zeitaufwendige Rangieren der Loks entfällt.

Was sagt die Bezirkspolitik? Jubel, aber es gibt auch vereinzelt Kritik. „Jetzt kann die neue Mitte Altona insgesamt geplant werden“, zeigt sich Bezirksamtsleiterin Liane Melzer (SPD) erleichtert. Robert Jarowoy (Die Linke) meint hingegen: „Zu keinem Zeitpunkt wurde die Bevölkerung gefragt, wie sie dazu steht, dass man ihr mit Schließung des Fern- und Regionalbahnhofs im Herzen Altonas ein weiteres Stück Identität nimmt.“

Zahlen + Fakten

Wann gehts los? Der neue Fernbahnhof am Diebsteich soll laut Deutscher Bahn (DB) im Jahr 2023 in Betrieb genommen werden.

Wie teuer wird der Bahnumzug? Genaue Kosten stehen noch nicht fest. Für die Planung wurden laut DB 13 Millionen Euro freigegeben.

Was zahlt Hamburg für das Grundstück an die Bahn? Nach einer gemeinsamen Erklärung von Bahn und Senat zahlt die Hansestadt 38,8 Millionen Euro an die DB. Offen ist allerdings, wer für die Sanierung des möglicherweise mit Rückständen be-lasteten Bahngeländes aufkommt.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.