Eigentümer staunt: Stadt verplant sein Grundstück

Als "Sofortmaßnahme - 2. Stufe" will die Stadt Hamburg Unterkünfte für Zuwanderer auf dem Gelände Osdorfer Landstraße 139 bauen. Der Besitzer des Grundstücks wurde nicht informiert.

Sozialbehörde stellt Fläche an der Osdorfer Landstraße als Standort für Zuwanderer-Unterkünfte vor - und vergisst, den Eigentümer zu fragen.

Die Flüchtlingszahlen steigen dramatisch. Hamburg braucht dringend Grundstücke, um darauf Unterkünfte für Asylbewerber zu errichten. So dringend, dass private Grundstücke dafür bestimmt werden, ohne die Eigentümer zu informieren?
So geschehen beim rund 6.500 Quadratmeter großen „Raffay-Gelände“ an der Osdorfer Landstraße 139 neben dem Elbe Einkaufszentrum. Das steht seit Jahren leer, ab und zu gastiert ein kleiner Zirkus dort.
Hans-Werner Maas, Sprecher und Geschäftsführer der Gerhard von Raffay/Hans-Werner Maas Immobilien-Entwicklungs GmbH, fiel aus allen Wolken, als er erfuhr: Die Sozialbehörde plant als „Sofortmaßnahme“, auf dieser Fläche Zuwanderer unterzubringen. Das Bezirksamt Altona und die lokale Politik wurden schon informiert. Das bestätigt Bezirkspolitiker Lorenz Flemming (FDP) : „Meiner Erinnerung nach wurde uns sogar berichtet, das Grundstück sei der Behörde von Raffay quasi aufgedrängt worden. In jedem Fall war völlig klar: Der Eigentümer stimmt zu.“
Raffay-Sprecher Hans-Werner Maas ist baff. Er erzählt eine andere Geschichte: Vor ein paar Wochen sei er in der Finanzbehörde gewesen und eher nebenbei gefragt worden, ob Raffay nicht ein passendes Grundstück für die Unterbringung von Zuwanderern habe. Maas: „Ich habe gesagt, wenn wir helfen können, gern. Dann hat eine Dame angerufen, die wollte die Flurkarte. Die hat sie bekommen. Danach habe ich nichts mehr gehört.“
Schriftlich seien weder eine Anfrage noch Informationen bei ihm eingetroffen. „Schließlich muss ich wenigstens wissen, für wie lange das gedacht ist. Für acht oder neun Monate kann ich die Fläche zur Verfügung stellen. Und zwar kostenlos, wie für den Zirkus auch. Aber über mehrere Jahre wäre das nicht gegangen; wir haben ja Pläne für das Grundstück.“
Gesche Boehlich, Altonas Grünen-Fraktionschefin, schimpft: „Das ist doch kein sauberes Arbeiten! Man hätte zumindest einen Vorvertrag erwartet, in dem der Eigentümer sein Einverständnis gibt.“
Das Wochenblatt fragte bei der zuständigen Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (Basfi) nach: „Wie kommt es, dass dieses Grundstück auf Ihrer Liste gelandet ist, obwohl der Eigentümer sein Einverständnis nicht gegeben hat?“ Bis Redaktionsschluss lag keine Antwort vor.
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