Eigentor für die Stadt Hamburg?

Der HSV bekommt mehr Trainingsfläche für seine Profisportler. Dafür muss ein öffentlicher Spiel- und Bolzplatz im Volkspark verlagert werden. Die Politik hatte beschlossen: Die Verlagerung zahlt der HSV. Der soll auch bereit dazu gewesen sein. Hat die Verwaltung ein klassisches Eigentor geschossen, indem sie freiwillig den größten Teil der Kosten übernommen hat? (Foto: Panthermedia)

Bezirkspolitiker sauer: Steuerzahler finanzieren über Umwege neue Trainingsfläche für den HSV.

Das darf doch wohl nicht wahr sein: Der Profi-Verein HSV erweitert seine Trainingsflächen, und der Hamburger Steuerzahler muss dafür bluten.
Das ist geschehen: Im Frühjahr 2014 kam der HSV auf den Bezirk Altona zu. Der Verein brauchte neue Flächen, um sein Trainingsgelände zu vergrößern. Das Areal, das der HSV im Auge hatte: ein öffentlicher Bolzplatz im Volkspark. Geht in Ordnung, könnt ihr haben, meinte dazu die Altonaer Politik. Unter folgender Bedingung: Der Bolzplatz darf nicht verschwinden, sondern muss verlagert werden, und das Ganze muss kostenneutral über die Bühne gehen, der HSV also die Kosten übernehmen.
Sven Hielscher (CDU): „Wir haben gemeinsam klipp und klar beschlossen: Das darf den Steuerzahler nicht einen Pfennig kosten.“ Und er fügt hinzu: „Die (der HSV) waren auch bereit dazu.“ Ein Ersatzgrundstück für den Bolzplatz stand parat: eine ehemalige Lagerfläche des Altonaer Bauhofs. Alles okay, also.
Doch endgültig eingetütet wurde der Deal eine Etage höher, im Sportamt. Das Egebnis dieser Verhandlungen wurde jetzt öffentlich – und ließ in Altona manche Kinnlade runterklappen. Keine Rede mehr davon, dass der HSV alleine zahlt für das, was nötig ist, wenn er seinen Wunsch nach mehr Trainingsflächen erfüllen möchte. Sondern – Zitat aus der Drucksache: „Die Kosten für die Verlagerung in Höhe von 160.000 teilen sich der HSV, das Sportamt und die Senatskanzlei.“
Auf Nachfrage der Grünen in der Bezirksversammlung Altona kam sogar heraus: Es wird noch nicht einmal gerecht geteilt. Der HSV übernimmt läppische 40.000 Euro, den Rest zahlt der Steuerzahler. Da fragen nicht nur die Grünen in der Bezirksversammlung erstaunt: „Wer hat eigentlich mit dem HSV so zu Ungunsten der Stadt verhandelt?“
Besonders bitter: 30.000 Euro für die Verlagerung des Bolzplatzes sollen aus dem Steuergelder-Topf genommen werden, aus dem Altonas Sportstätten saniert werden. Dieser Topf ist chronisch unterfinanziert. Heißt: wenn in Zukunft mal wieder ein Sportplatz unbespielbar ist, Duschen in einer Umkleide nicht repariert werden können oder in einer Turnhalle die Heizung ausfällt, können Altonaer Sport-Fans sich immer damit trösten: Unsere HSV-Profis haben ihre neue Trainingsfläche günstig bekommen.

Angriff auf die Bezirksamtsleiterin

Im März 2014 hatte die Bezirksversammlung Altona beschlossen: Der HSV zahlt alle Kosten im Zusammenhang mit der Erweiterung seiner Trainingsflächen. Dazu zählen Baumfällungen, Ersatzpflanzungen sowie die Verlagerung eines öffentlichen Spiel- und Bolzplatzes.
Jetzt wirft Sven Hielscher (CDU) Altonas Bezirksamtsleiterin Liane Melzer vor, sie habe es versäumt, diesen Beschluss der Altonaer Politiker an den zuständigen Sport-Staatsrat zu kommunizieren und im Sinn der Bezirksversammlung umzusetzen: „Es war klar: Der HSV will was und der zahlt dafür. Frau Melzer wusste das. Ich verstehe gar nicht, wie sie auf die Idee kommt, dass der HSV subventioniert werden muss!“
Liane Melzer wehrt sich: „Es mag ja sein, dass der HSV Anderen gegenüber erklärt hat, dass er bereit war, die 160.000 zu übernehmen. Mir gegenüber hat er es jedenfalls nicht zum Ausdruck gebracht. Ich habe nur von seiner Bereitschaft gehört, 40.000 Euro zu übernehmen und für zehn Jahre die Pflege des Platzes. Mir ging es darum zu erreichen, dass der Bezirk die 160.000 Euro bekommt – das stand im Vordergrund.“
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1 Kommentar
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M. Lehmann aus Stellingen | 05.03.2015 | 18:40  
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