„Eigentlich wollte ich Pilot oder Arzt werden“

Nach 42 Jahren im Altonaer Spar und Verein genießt er die Zeit ohne Termindruck: Holger Kowalski, zuletzt Vorstandschef der altoba. (Foto: altoba)
 
Neuer Vorstandsvorsitzender der altoba ist Burkhard Pawils (49). (Foto: altoba)

Interview: Holger Kowalski, Vorstandsvorsitzender des Altonaer Spar- und Bauvereins, ist in den Ruhestand gegangen.

Chef einer Genossenschaft - wollten Sie das immer schon werden?
Ganz sicher nicht! Pilot hätte mich interessiert, und Arzt wäre ich auch gerne geworden. Aber schon die Lehrerin in der ersten Klasse sagte: „Der landet mal im Büro.“ Die hat wohl gemerkt, dass ich immer ein Fanatiker von Grundorganisation war.
Was hat sich im Altonaer Spar und Bauverein am meisten verändert in den 42 Jahren, die Sie dabei sind? Zum einen: Der Umgang mit den Mitgliedern. Wenn 1972 einer eine Wohnung brauchte, bekam er ein Angebot. Nahm er das nicht an, hieß es: „der Nächste!“ Und zwar ohne „bitte“!
Und weiter: Früher musste man ständig den Reparaturblock dabei haben - immer gab es was zu reparieren. Heute drehen sich die Beschwerden um Ruhestörungen und Nachbarschaftsstreitigkeiten. Da gibt es keine so leichten Lösungen wie bei den Reparaturen. Eigentlich nur zwei: Frieden schließen oder ausziehen. Die Leute von heute sind viel nervöser als früher. Ich führe das auf unsere moderne Welt und ihre vielen Angebote zurück. Hellhörig waren die Häuser ja früher auch - aber die Leute nahmen das ruhiger hin.
Früher übernahmen die Mitglieder auch mehr Verantwortung für ihr Umfeld. Räumten weg, was sie störte. Heute rufen sie an und sagen: Schickt mal jemanden her, da liegt Papier rum...
Ein großer Erfolg? Die Mitbestimmung. Als wir 1990 damit begannen, unsere Mitglieder bei Bauprojekten mitwirken zu lassen, hab ich gedacht: Die wollen sicher alle goldene Wasserhähne... Das war aber ganz und gar nicht so. Wir stellten fest, dass das Mitbestimmen zu stärkerer Bindung an die Genossenschaft und zu langer Verweildauer in den Wohnungen führte, weil die Menschen zufriedener waren.
Ein weiterer Erfolg: dass wir mit dem Sozialmanagement den Mitgliedern - übrigens auch mir - Hoffnung gegeben haben, bis zum Schluss in der Genossenschaft aufgehoben sein und so lange wie möglich in der Wohnung bleiben zu können.
Was lassen Sie gerne hinter sich? Froh bin ich, dass die Sitzungen vorbei sind. Ich hatte eine richtige Allergie dagegen entwickelt. Und Termine - das Wort kann ich einfach nicht mehr hören. Dass ich nicht mehr verplant werde, meine Zeit frei einteilen darf, darauf freue ich mich.
Im Rückblick - waren Sie eher Wirtschaftsboss oder Sozialarbeiter? Wirtschaftliches Denken und soziale Verantwortung kann man vereinbaren. In einer Genossenschaft erwartet man seriöses Wirtschaften mit nachhaltigem Ansatz; das muss heute, morgen und übermorgen Bestand haben. Aber Sie haben auch Raum genug, um Ihre soziale Ader auszuleben. Das Sozialmanagement
kostet die altoba eine halbe Million Euro im Jahr – das leistet sich kein anderes Unternehmen.

Der Alte geht, der Neue ist da

Zum Jahreswechsel hat sich der Vorstandsvorsitzende des Altonaer Spar- und Bauvereins (altoba) Holger Kowalski (67) in den Ruhestand verabschiedet. Er war 29 Jahre lang altoba-Vorstandsvorsitzender, seit 34 Jahren Vorstandsmitglied und insgesamt 42 Jahren für die Genossenschaft tätig. Neuer Vorstandsvorsitzender ist Burkhard Pawils (49). Mit ihm bilden Petra Böhme und Thomas Kuper den altoba-Vorstand.
Pawils, zuvor Vorstandsvorsitzender der FLUWOG-NORDMARK eG, war am 1. September 2014 in den Vorstand der altoba eingetreten. Der Diplom-Kaufmann war schon von 1995 bis 2001 bei der altoba, zuletzt als Leiter der Finanzierungsabteilung und des Mietercentrums.
Burkhard Pawils wohnt mit seiner Familie in Schenefeld, ist Fußballfan und aktiver Sportler. Der Frühaufsteher hält sich durch regelmäßige morgendliche Laufrunden vor der Arbeit fit und liebt Wassersport, insbesondere Windsurfen.
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