Ehrengrab für eine Ikea-Kommode

Adieu, alte Kommode!

Begebenheit auf dem Recyclinghof: "Für uns ist das Holz!"

Adieu, alte Ikea-Kommode. 20 Jahre bist du mit mir umgezogen, jetzt mögen wir uns nicht mehr. Die letzten Jahre hab ich dich verleugnet und ein indisches Tuch über dich gehängt. Du hast dich gerächt, indem du meine Lieblingsstrumpfhosen im immer größer werdenden Spalt zwischen Schubladen und Rückwand versteckt hast. Zeit Abschied zu nehmen.
Du fällst ohne Widerstand in deine Einzelteile auseinander, ich bringe dich zum großen Friedhof für Ausgedientes nach Osdorf: Recyclinghof Brandstücken. Dort ist es wie in der Disco: Bevor man rein darf, muss der Türsteher erstmal genau hingucken. Der Herr in Orange wirft einen Blick durchs Rückfenster auf meine Kommode und ordnet an: „Nummer 1, Holz!“.
Ich kenne doch meine Ikea-Kommode, da sind höchstens drei Holzspäne drin. Mein Protest: „Aber das ist fast alles Kunstst...“ wird streng unterbrochen: „Holz. Container Nummer 1!“
Kein Widerspruch möglich. Ich fahre meine Kommode zum Container Nummer 1. „Unbehandeltes Holz“ steht groß darauf. Ich packe die Schubladen aus, das Plastik biegt sich in meiner Hand. Egal, was ich jetzt tu, es ist falsch: Entweder werfe ich die Schublade in Nummer 1 - das ist gegen jedes Öko-Gewissen. Oder ich bringe sie heimlich zum Container „Sperrmüll“ - aber das ist gegen den Befehl.
Zum Glück naht ein zweiter Herr in Orange. „Ich soll diese Kommode hier reinwerfen, dabei ist die gar nicht richtig aus Holz....“
Er reißt mir die Schublade aus der Hand, schleudert sie in Container Nummer 1, schmeißt die ganze Kommode hinterher, drückt auf den Knopf, der alles zusammenknautscht, und sagt schneidig: „Für uns ist das Holz!“
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.