„Egal wo, ich nehme jede Wohnung!“

Stefan Haase muss aus dem baufälligen Haus ausziehen, in dem er seit Geburt wohnt. Er sucht eine Einzimmerwohnung, egal wo - und findet keine. (Foto: ch)

70 Bewerbungen und Besichtigungen in ganz Hamburg - Stefan Haase findet keine Wohnung

- Christiane Handke, Ottensen - Stefan Haase hat eine tolle Adresse: Elbchaussee 104. Hinter der tollen Adresse versteckt sich aber ein trauriges Schicksal. Denn der 34-Jährige will nichts als raus aus dem Haus, in dem er wohnt. Es ist es ihm völlig egal, wo in Hamburg er hinzieht. Ob Dulsberg, Billstedt oder Veddel: Er nimmt alles. Aber niemand nimmt ihn. 70 Besichtigungen hat er hinter sich. Er findet einfach keine Wohnung.
Politik und Wirtschaft beschwichtigen gerne: Es gebe in Hamburg gar keine wirkliche Wohnungsnot. Es gebe lediglich eine Wohnungsknappheit - und auch die nur in den „angesagten“ Stadtteilen wie Ottensen. Stefan Haases Fall beweist das Gegenteil.
Haase muss ausziehen aus dem Haus im Fischerspark, in dem er wohnt. Das gehört der Stadt, ist eigentlich eine Dienstwohnung für Angestellte des Gartenbauamts Altona. 1978 zogen Haases Eltern hier ein, beide haben für das Gartenbauamt gearbeitet; er lebt seit seiner Geburt 1979 dort. Sein Vater starb 1989. Seine Mutter kündigte im August dieses Jahres und zog in eine 31-Quadratmeter-Wohnung.
Der Sohn, gelernter Tischer, jahrelang als Verkäufer bei Blume 2000 tätig und jetzt nach einer Darmerkrankung arbeitslos, sucht seitdem verzweifelt nach einem neuen Zuhause. Inzwischen fürchtet er, geräumt zu werden. Denn das Bezirksamt Altona hat festgestellt: Das Haus im Fischers-park ist baufällig, muss abgerissen werden. Haase wehrt sich nicht dagegen. „Ich will hier um jeden Preis raus“, sagt er.
Das Haus ist durchfeuchtet, im Dach ist ein Loch, es regnet rein, die Tapeten schälen sich ab. Nachtspeicherheizung, Badezimmer ohne Dusche. „Eine Einzimmerwohnung mit Duschkabine - das wäre Luxus für mich“, sagt Haase. Als Hartz-IV-Empfänger mit Dringlichkeitsschein darf er eine 25- bis 50-Quadratmeter-Wohnung für maximal 327 Euro kalt mieten- die Miete zahlt das Amt.
„Ob Plattenbausiedlung oder nicht - ist mir egal“, sagt Haase. Drei Besichtigungen hat er allein im Osdorfer Born hinter sich – nichts. „Inzwischen bin ich schon froh, wenn ich wenigstens eine Absage bekomme. Meisten gibt es gar keine Reaktion. Ich verstehe das nicht. Ich bin mit den Nerven fertig“

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Elbe Wochenblatt Redaktion, Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg. Mail: post@wochenblatt-redaktion.de
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1 Kommentar
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Michael Borkowski aus Altona | 20.11.2013 | 14:20  
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