Durch Burnout ganz unten angekommen

Gerald K., seit vielen Monaten in Therapie, befindet sich auf dem Weg der Besserung.

Alkohol, Tabletten, Kokain: Erfolgreicher Kaufmann stürzt mit Burnout ab und landet vor dem Richter.

Ein Burnout kann den Menschen nicht nur ins Krankenhaus bringen, sondern auch auf die Anklagebank. Das beweist der Fall des Gerald K. (50), der sich innerhalb von ein paar Monaten vom erfolgreichen Unternehmer in ein menschliches Wrack und einen Straftäter verwandelte.
Als Häuflein Elend steht der Diplom-Betriebswirt vor dem Richter. Am 8. Juli 2011 verursachte K. einen Unfall auf der Max-Brauer-Allee. Ein Absperrgitter ging kaputt, ein Gully-
deckel flog durch die Luft und landete auf einer Treppenstufe, die abbrach. Gerald K., er hatte zwei Promille, raste mit seinem Mercedes Kombi davon. Von der Polizei aufgegriffen wurde er in einer Sackgasse am Kellinghusenpark, wo er Fußgänger bepöbelte.
Danach war der Führerschein weg. Das hinderte K. nicht daran, zehn Tage später sein Auto mit 70 km/h betrunken auf den Spritzenplatz in Ottensen zu lenken. Schock bei den Menschen, die dort friedlich an Tischen und auf Bänken saßen. K. stieg aus und beschimpfte Kellner eines Restaurants, die versuchten, ihm die Autoschlüssel wegzunehmen. Diesmal hatte er über zwei Promille. Schließlich der 20. Juli: Gerald K., wieder unter Drogen und Alkohol, führt seinen Hund „Ares“ aus - der beißt einem achtjährigen Jungen in die Schulter.
„Beim besten Willen, ich kann mich an nichts mehr erinnern“, sagt der Angeklagte mit leiser Stimmme und hängendem Kopf. „Es ist erschütternd zu hören, was ich alles angestellt habe.“
Was führte dahin? 90 Stunden die Woche habe er in seinem Unternehmen - einem Internet-Versand für Tierbedarf - gearbeitet. Dazu Marathon gelaufen. Zu spät habe er gemerkt, dass der Sport nicht, wie geplant, Ausgleich zur Arbeit war, sondern noch mehr Energie raubte. Plötzlich fand er Entspannung nur noch im Alkohol. Bald konsumierte er eine Flasche Jägermeister am Tag. Dazu Bier, Schlaftabletten zum Ruhigwerden und Kokain zum Antreiben.
Im Herbst 2011 begann K. einen Entzug in der Klinik, zog danach in eine teilstationäre Einrichtung. Dort lebt er noch immer. Er hat einen gesetzlichen Betreuer. Seine Firma ist pleite, er hat Privatinsolvenz angemeldet.
K. wird verurteilt zu 3.050 Euro Strafe wegen fahrlässiger Körperverletzung und zwei Trunkenheitsfahrten; er darf in Raten zahlen. Das letzte Wort des Richters: „Gute Besserung!“
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