Drei Babys in einem Jahr

Vater, Mutter, Kind - eine ganz normale, heile Familie? Nein, es ist ganz anders.
 
„Es gibt kaum etwas Erfüllenderes als ein Kind zu versorgen und ihm Wärme und Zuneigung zu geben“, sagen Susanne und Guido Bertling.

Von jetzt auf gleich: Pflegeeltern kümmern sich um Säuglinge.

Serafina schläft friedlich im Kinderwagen, warm eingemummelt in einem winzigen braunen Teddybär-Overall. Zwölf Tage ist die Kleine alt. Ein Mann und eine Frau betrachten sie liebevoll. Mutter, Vater, Kind – eine heile kleine Familie? Nein. Es ist alles ganz anders.
Serafina ist sofort nach der Geburt vom Jugendamt ihrer obdachlosen Mutter weggenommen und Pflegeeltern übergeben worden: Guido Bertling (49), Sozialpädagoge, und Hotelfachfrau Susanne Max-Bertling, jetzt Vollzeit-Mutter, geben dem kleinen Mädchen so viel Familie und Zuhause, wie sie nur können – auf unbestimmte Zeit, bis Serafinas Schicksal entschieden ist.
Die Bertlings sind Bereitschafts-Pflegeeltern, Mutter und Vater für den Notfall. Sie nehmen von jetzt auf gleich Säuglinge auf, deren Sicherheit anders nicht gewährleistet wäre, weil ihre Mütter obdachlos, drogen- oder alkoholabhängig oder psychisch krank sind oder ihr Baby ablehnen. Bis die Verhältnisse durch das Jugendamt geklärt sind, wird das Kind von Pflegeeltern wie den Bertlings versorgt.
Serafina ist das dritte Baby, das in den letzten zwölf Monaten für ein Weilchen Teil der Familie Bertling sein darf. Zu der gehören auch drei große Geschwister, 18, elf und vier Jahre alt. Susanne: „Natürlich haben wir unseren Plan, Pflegekinder aufzunehmen, mit unseren Kindern durchgesprochen. Das ist etwas, was die ganze Familie angeht.“
Das erste Baby war ein sechs Monate alter Junge. Sechs Wochen blieb er. Danach kam Nando, sieben Tage alt. „Der hatte ein hartes Schicksal. Seine Mutter verschwand und ließ ihn einfach zurück“, erzählt Susanne. Ein halbes Jahr lang blieb Nando bei den Bertlings. Er muss ein sehr gewinnendes Kind gewesen sein – die Erinnerung an ihn zaubert seinen Pflegeltern immer noch ein großes Lächeln ins Gesicht. Inzwischen ist er adoptiert worden. Susanne: „Ich freue mich so, dass er jetzt liebe Eltern hat!“
Sich freuen, dass ein Baby die Familie wieder verlässt – geht das? Susanne seufzt: „Ganz viele sagen: ‘Ich könnte das Kind nicht wieder hergeben’, und es schwingt immer ein bisschen der Vorwurf der Herzlosigkeit mit...“ Guido erklärt: „Man muss wissen, dass der Abschied von Anfang an mit angelegt ist. Und trotzdem eine Beziehung aufbauen." Die Bertlings können das, weil ihnen bewusst ist, wie wichtig und sinnvoll diese Aufgabe ist. Und sie macht glücklich: „Es gibt kaum etwas Erfüllenderes als ein Kind zu versorgen und ihm Wärme und Zuneigung zu geben“, sagt Susanne.

„Der Bedarf ist groß“
Fragen an Ralf Portugall von PFIFF,
Pflege- und Patenkinder Fachdienst für Familien in Hamburg.

Männer und Frauen, die Bereitschafts-Pflegeeltern werden wollen, werden mitsamt der in ihrem Haushalt lebenden Kinder oder anderer Verwandter komplett „durchleuchtet“. Es werden Drogen- und Gesundheitstests gemacht, ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis ist Pflicht. Der Pflege-Vertrag wird geschlossen mit der Pfiff gGmbH, dem Pflege- und Patenkinder Fachdienst für Familien in Hamburg. Die Verträge werden individuell auf die jeweiligen Bereitschaftspfleger zugeschnitten. So kann man sich beispielsweise, wie die Bertlings, dafür entscheiden, nur Babys unter einem Jahr aufzunehmen. Es ist auch möglich, sich für eine Zeitspanne abzumelden, wenn die Umstände es gerade nicht zulassen, ein Kind aufzunehmen.
Pflegeeltern haben Kontakt zur leiblichen Mutter des Kindes, die das Recht behält, ihr Kind zu besuchen.
Bereitschaftspfleger können Paare, aber auch alleinstehende, beziehungsweise ältere Menschen werden. Bedingung: Pflegemutter oder -vater müssen ganztägig zu Hause sein.
Alle Informationen zum Thema Bereitschafts- oder Dauerpflege finden sich unter www.pfiff-hamburg.de
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