Drehort Schmuckstraße: Hier war mal das Chinesenviertel

Regisseur Damian Schipporeit (l.) mit den Schauspielern Quingzhuo Fang und Stephan Kampwirth vor St. Joseph in der Großen Freiheit. Foto: mg
 
Filmproduzent Stefan Gieren zeigt den neu verlegten Stolperstein in der Schmuckstraße. Einige der früheren Kellereingänge des Chinesenviertels sind dort erhalten geblieben. Foto: mg

„Chinesenaktion“ von 1944 liefert Hintergrund für NDR-Spielfilm

M. Greulich, St. Pauli

In der „Thai Oase“ wird an diesem Donnerstag kein Karaoke gesungen. Ein Mitarbeiter einer Filmcrew hat den Schriftzug des Szenelokals an der Ecke Schmuckstraße/ Große Freiheit weiß überklebt. Das windschiefe Gebäude ist die Kulisse für ein leerstehendes „Geisterhaus“, das im NDR-Film „Tian – Das Geheimnis der Schmuckstraße“ eine Hauptrolle spielt. Es ist der erste Spielfilm, der sich mit dem Chinesenviertel auf dem Kiez beschäftigt, wo ab den frühen 1920er-Jahren das einzige „China-Town“ in Deutschland entstanden war, weil Seeleute in Hafennähe sesshaft wurden.
Am 13. Mai 1944 hatte die Geheime Staatspolizei (Gestapo) 129 Chinesen festgenommen. Sie wurden monatelang im Gefängnis Fuhlsbüttel gefoltert. Etwa 70 von ihnen mussten in Wilhelmsburg Zwangsarbeit leisten. 17 Männer starben durch die Misshandlungen, elf chinesische Opfer sind heute namentlich bekannt.

„Im Zuge der Recherchen für unseren Film hat der Historiker Lars Amenda weiter über das Chinesenviertel geforscht“, sagt Stefan Gieren, der Produzent des Films und Co-Autor des Drehbuchs. Er zeigt auf den neu verlegten Stolperstein vor der „Thai Oase“, dessen Patin die Produktionsfirma ist. „Wir würden uns über weitere Paten für Stolpersteine der Opfer freuen“, so Gieren (siehe nebenstehender Kasten).
Gieren wurde 2012 mit einem Kurzfilm für einen Oscar nominiert. Nun fördert der NDR seinen Spielfilm in der Reihe „Nordlichter“, in der es talentierten Filmemachern wie Gieren oder Regisseur Damian Schipporeit ermöglicht wird, unter großzügigen „Tatort-Bedingungen“ zu drehen.
„Tian – Das Geheimnis der Schmuckstraße“ ist ein Mystery-Film, der zwar in der heutigen Zeit spielt, das Ende des Chinesenviertels aber als Teil einer Familiengeschichte zum Thema hat. Die Rolle der Kneipenwirtin Shulian spielt der chinesische Filmstar Qingzhuo Fang. Ihre Figur ist offenbar von Marietta Solty inspiriert. Sie betreibt die „Hongkong Bar“, ihr Vater Chong Tin Lam wurde selbst Opfer der Gestapo.
Die Eheleute, die in das spukende Haus in der Schmuckstraße einziehen, werden von Katharina Schüttler und Stephan Kampwirth verkörpert.
Für den im Grindelviertel lebenden Gieren ist es dabei das erste Mal, dass er einen Film in seiner Heimatstadt dreht. Die Geschichte des Chinesenviertels hat ihn gereizt. Dass sich die Stadt Hamburg bei der Aufarbeitung bislang peinlich zurückhält, tat ein übriges. Die Opfer wurden bislang nicht entschädigt, weil es sich nicht um Verfolgung sondern angeblich um einen reinen Polizeieinsatz gehandelt habe.
Gieren: „Das St. Pauli Archiv hat an der Schmuckstraße eine Tafel aufgestellt, auf der die Geschichte von St. Paulis Chinesen dokumentiert wird. Für die Tafel muss das Archiv Miete ans Bezirksamt zahlen.“
Wenn der Film voraussichtlich im November gesendet wird, möchte die Filmcrew eine Gedenktafel für die chinesischen Opfer in der Schmuckstraße aufstellen. „Vielleicht hilft unser Film ja dabei“, sagt Gieren noch, dann geht er zurück zur Thai Oase.

Kontakt
Wenn Schulklassen oder
Privatpersonen eine
Patenschaft für einen
Stolperstein in der
Schmuckstraße übernehmen möchten, können sie sich per E-Mail an Stefan Gieren unter stefan@storybay.tv
wenden.
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