Direns Mörder: 70 Jahre Haft

Markus K. hat den Austauschschüler Diren D. im April erschossen. Die Jury sprach ihn schuldig. Diese Woche wird das Strafmaß verkündet. Zwischen zehn Jahren und 100 Jahren - de facto also lebenslänglich - ist alles möglich. (Foto: The Missoulian)

Richter verkündete das Strafmaß. Bewährung frühestens nach 20 Jahren

Am Donnerstag, 12. Februar, wurde das Strafmaß verkündet. Markus K.(30), der den Altonaer Austauschschüler Diren D. im April in Missoula/Montana erschoss, war von einer Jury der vorsätzlichen Tötung schuldig gesprochen. Der Richter konnte ihn nach den in Montana geltenden Gesetzen mit einer Haftstrafe zwischen zehn und 100 Jahren - de facto also lebenslänglich - hinter Gitter bringen. Und das hat er auch gemacht: Richter Ed McLean hat Markus K. am Donnerstag zu 70 Jahren Haft verurteilt. Zusätzlich darf er erst nach 20-jähriger Haftstrafe einen Antrag auf Bewährung stellen.
Mit sanfter, ruhiger Stimme begründete Richter McLean sein Urteil, unter anderem mit der Bemerkung : "You're just not a very nice person." - Sie sind einfach kein sehr netter Mensch. Außerdem ist der Richter - wie auch die Jury- davon überzeugt dass der Angeklagte nicht schoss, um seine Familie zu schützen, sondern aus Frust und Ärger absichtlich eine Falle aufgebaut hatte, um jemanden darin zu fangen und umzubringen: "You were hunting" - "Sie waren auf der Jagd".
Auch die Vorgeschichte des Angeklagten - der schon öfter wegen Überreaktionen aufgefallen ist - habe ihn, Richter Ed McLean, dazu veranlasst, K. für lange Zeit wegzusperren. Die Gesellschaft müsse vor ihm geschützt werden: "Sie haben geschossen, weil sie wütend sind auf die ganze Welt."
Markus K. nahm die Worte des Richters ohne merkliche Regung hin. Vorher hatte seine Lebensgefährtin im Zeugenstand um Milde für ihn gebeten. Dabei entschuldigte sie sich bei der Familie des getöteten Diren. Dass ihre Entschuldigung jedoch nicht von Herzen kam, machte ein kurzer Dialog mit der Staatsanwältin klar. Die fragte die Lebensgefährten Janelle Pf. nach ihrer Reaktion auf eine Zivilklage der Familie D. Diese verlangt unter anderem eine Erstattung der Kosten für die Überführung des toten Jungen nach Europa. Janelle Pf. stritt nicht ab, was sie in einem Telefonat mit dem inhaftierten Markus K. gesagt haben soll: "Jetzt wollen sie auch noch Geld von uns für die Überführung dieser Ratte".
Die Rechtsanwälte des Angeklagten Markus K. können vor dem obersten Gericht Montanas in Berufung gehen. Sie hatten bis zuletzt versucht, den Termin zu verschieben und einen neuen Prozess durchsetzen. Sie vertraten die Ansicht, die ausgedehnte Berichterstattung in den Medien habe die Jury gegen K. beeinflusst. Deshalb sei es nicht zu einem gerechten Urteil gekommen. Alle ihre Anträge wurden jedoch abgelehnt.
Der 17-jährige Diren D. aus Altona war als Austauschschüler in Missoula und sollte im Frühsommer 2014 wieder nach Hause kommen. Am 27. April wurde er nachts von Markus K. erschossen. Diren hatte gemacht, was in Missoula seit Generationen ein beliebter Dummerjungenstreich ist: sich in Garagen von Nachbarn zu schleichen und dort zu gucken, ob es etwas zu trinken gibt. Diren wusste nicht, dass Markus K. absichtlich eine Falle gestellt, das Garagentor offen gelassen und sich mit seinem Gewehr auf die Lauer gelegt hatte. K. hatte in den Tagen vorher mehrmals Bekannten gegenüber angekündigt, jeden Eindringling erschießen zu wollen.
Dreimal soll K. auf den Jungen in der Garage geschossen haben und nach einer Pause, in der Diren um sein Leben flehte, ein viertes Mal abgedrückt haben. Dieser Schuss tötete den 17-Jährigen.
Die Jury nahm K. nicht ab, dass er sein Haus und seine Familie habe verteidigen wollen. Dann hätte er nach der in Montana geltenden „Castle Doctrine“ freigesprochen werden müssen.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.