Die Zitronenjette und der Junge von St. Pauli

Das Musical „Der Junge von St. Pauli“ mit Freddy Quinn in der Hauptrolle wurde in den 1970ern ein Hit. (Foto: Foto: St. Pauli Theater)

Seit 175 Jahren unterhält das St. Pauli Theater die Hamburger am Spielbudenplatz

Von Gaby Pöpleu

Am 30. Mai 1841 hob sich zum ersten Mal der Theatervorhang am Spielbudenplatz. Damals hieß die 1.000-Plätze-Spielstätte in der „Vorstadt“ St. Pauli noch „Urania-Theater.“ 175 Jahre und einige Namen später feierte das St. Pauli Theater dort jetzt Geburtstag. Und anschließend wird renoviert.
Das folgende „Varieté-Theater“ wurde in Anlehnung an den Namen von den Hamburgern liebevoll als „Warmtee-Theater“ verspottet. Ab 1863 wurden dort erstmals hamburgische Stücke zu sehen. Das einfache Volk stand auf der „Prüüntje Böhn“, dem „Kautabak-Boden“ im zweiten Rang ganz oben unterm Dach. Denn dort konnte man sich für wenig Geld einen Abend lang köstlich amüsieren. Nicht selten wurde das Geschehen auf der Bühne für bare Münze genommen. Das Publimkum mischte sich dann auch gern mal lauthals ins Geschehen ein.
Vor allem Plattdeutsches
Ende des 19. Jahrhunderts begann die Blütezeit des Theaters, das dann nach dem damaligen Leiter „Ernst-Drucker-Theater“ hieß. Auf die Bühne kamen vor allem Volksstücke auf Platt. Ein besonderer Erfolg: „Famile Eggers oder eine Hamburger Fischfrau“ aus der Feder von Polizeiwachtmann Julius Schölermann von der benachbarten Davidwache. Held Theodor Eggers wurde als „Thetje mit die Utsichten“ zur bekannten  Hamburger Figur. Drucker zeigte aber auch anspruchsvolle Stoffe, zum Beispiel Ibsens „Die Frau vom Meer“. Legendär auch die „Zitronenjette“, die in den 1920-er Jahren erstmals die Bühne betrat und mit 859 Aufführungen zu den größten Erfolgen des Theaters zählt.
Zum 100. Geburtstag 1941 bekam das St. Pauli Theater seinen heutigen Namen: Die Nazis hatten plötzlich entdeckt, dass der 1921 verstorbene Drucker Jude gewesen war und benannten das Haus kurzehand um.
Seit den 1970-ern steuerte die Familie Collien das Haus um die Klippen zwischen Kunst und Kommerz herum. Bis in die 1980-er Jahre war überwiegend Plattdeutsches zu sehen, später Boulevardtheater mit Stars wie Elke Sommer und Willi Millowitsch, dann auch Englischsprachiges wie „Little Shop of Horrors“. Heutzutage sind auch Comedy und Kabarett, Tanz und Musikshows auf der Bühne zu sehen, die seit fünf Jahren in Erinnerung an den legendären Theatermacher „St. Pauli Theater – ehemals Ernst Drucker Theater“ heißt.
❱❱ www.st-pauli-theater.de
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