Die Störtebekerhöhle am Altonaer Balkon

Wann? 19.03.2012

Wo? Altonaer Balkon, Hamburg DE
Die Grotte 1994
 
Das Innere der Grotte 1994
Hamburg: Altonaer Balkon | Die Störtebekerhöhle am Altonaer Balkon

Die meisten von uns, die in Altona aufgewachsen sind, kennen noch am Altonaer Balkon die Grotte, die wir aber unter einem anderen Namen kannten, und zwar als die „Störtebeker Höhle“. Als Jungens hatten wir dort Cowboy und Indianer gespielt, obwohl es nicht ganz ungefährlich war, denn es gab keinen Zugang zur Grotte. Versteckt in einem von Büschen bewachsenen Abhang, musste ein Junge schon etwas Klettererfahrung mitbringen, gerade wenn es an dem Tag geregnet hatte. Schnell konnte es sein, dass wir im Dreck lagen, den Abhang hinunterrutschten und unser Ziel verfehlten. Ungestört von der Erwachsenenwelt, begaben wir uns in die Zeit des Piraten Störtebeker und rätselten, wo er wohl hier in der Nähe seiner Höhle den berühmten Piratenschatz vergraben hat.
Den Schatz haben wir natürlich nie gefunden, aber dafür hatten wir einen geheimen Treffpunkt, den wir meistens mit anderen fremden Jungens teilen mussten. Bevor wir den Abhang hinunterkletterten, spitzten wir die Ohren, ob fremde Stimmen aus der Höhle kamen. Wenn die besetzt war, sind wir vorsichtshalber, still und leise, weitergezogen und besuchten Störtebekers Höhle an einem anderen Tag.
Die Grotte war auch in den 60ern und 70ern ein beliebter Treffpunkt für Halbstarke, für Hippies aber auch für Obdachlose, was für uns Jungens nicht gerade erfreulich war. In den 80ern beschloss die Stadt, die Grotte zuzumauern. Aber auch das hielt niemanden davon ab, die Grotte zu besuchen. In den 90ern wurden mit Gewalt ein paar Ziegel aus dem Gemäuer entfernt, um sich Eingang zu verschaffen, und die Grotte wurde zu einem geschützten Schlafplatz.. Ich selbst schaute einmal aus Neugier in dieses dunkle schwarze Loch hinein, um ein paar Blitzlichtfotos zu machen. Zu Haus konnte ich dann sehen, wie es dort drinnen aussah. Ich staunte nicht schlecht, was die neuen Besucher so alles durch ein kleines Loch hineingebracht hatten, um sich dort wohler zu fühlen. Ganze Matratzen konnte ich auf meinen Blitzlichtfotos sehen. Aber ich erinnerte mich auch an die Feuchtigkeit und an den üblen Geruch, der kaum auszuhalten war. Für mich kaum vorstellbar, dort zu übernachten oder gar den Winter überstehen zu wollen..
2004 wurde die Grotte restauriert und mit Treppen zugänglich gemacht, was ich als sehr gelungen empfinde. Gitter sollen nun den Aufenthalt in der Grotte unmöglich machen, aber auch hier wird schon versucht, die Stäbe zu verbiegen, um sich Eintritt zu verschaffen.
Vielleicht fragt sich der eine oder andere, wie die Grotte entstanden sein mag. Eine Informationstafel dazu wäre hilfreich. Ich habe darüber folgendes erfahren können:
Die Grotte ist nicht von der Natur geschaffen, sondern 1902 von Menschenhand. Sie diente als künstliche, aus Kalkstein aufgebaute Kaskade, um den Park zu verschönern, genau wie die ehemalige Kaskade am Elbhang der Rainville-Terrasse, die leider nach dem Krieg abgetragen wurde. Beide Kaskaden wurden von dem Wasser des Stuhlmannbrunnens und den zwei ehemaligen Springbrunnen (Platz der Republik, damals Kaiserplatz) gespeist. Das Abflussrohr bei der Rainville-Terrasse ist von der Straßenseite aus, ganz am Ende links der Mauer, heute noch zu sehen, und ein Suchender kann am Elbhang in der Nähe, mit viel Glück und Geduld, noch kleine Überbleibsel der künstlichen Grottensteine finden.
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