Die SPD Altona macht ihr Ding

Der parteilose Jürgen Warmke-Rose (r.) ist Bezirksamtsleiter in Altona, Thomas Adrian, Fraktionsvorsitzender der SPD in Altona, will es gerne werden. (Foto: pr)

Fraktionsvorsitzender soll Bezirksamtsleiter werden - aber wie?

Altona braucht einen neuen Bezirksamtsleiter - der alte, Jürgen Warmke-Rose, parteilos, 2007 von CDU und Grünen gewählt, will nach Ende seiner Amtszeit nicht mehr antreten. Auf der Bezirksversammlung im Mai soll gewählt werden. Dort regiert eine Koalition aus SPD, der größten Fraktion, und Grünen. Bei der Suche nach einem Nachfolger hat sich das Verhältnis zwischen SPD und Grünen in Altona dramatisch verschlechtert. Von einem Scheitern der Wahl bis zum Koalitionsbruch scheint jetzt alles möglich.
Seit Monaten vertritt die grüne Fraktion den Standpunkt: „Wir werden Thomas Adrian, Fraktionsvorsitzenden der SPD Altona, nicht zum neuen Bezirksamtsleiter wählen. Wir wollen keinen Mandatsträger.“ Doch was der kleinere Koalitionspartner will oder nicht will, scheint die SPD nicht zu jucken: Sie wählte in der vergangenen Woche als ihren Kandidaten für den Chefsessel im Altonaer Rathaus –  Thomas Adrian.
Aus Sicht der Grünen ein Affront, wie auch das Vorgehen der SPD nach der Wahl: Diese informierte zwar die Presse über das Ergebnis, nicht aber den Koalitionspartner. Gesche Boehlich, Fraktionsvorsitzende der Grünen, ist fassungslos „Das ist so, als wenn die Ehefrau durch die Zeitung erfährt, dass der Mann sich scheiden lassen will!“ Eine derartige Informationspolitik sei nicht Stil der Grünen.
Absicht oder Ungeschicklichkeit? Zu entscheiden, wem was wann mitgeteilt werde, sei nicht seine Aufgabe, sagte Thomas Adrian dem Wochenblatt. Er gehe jedenfalls „mit ausgestreckten Armen und offenen Händen“ auf den Koalitonspartner zu. Dass er selbst die Chance eines Einlenkens von grüner Seite für minimal hält, ist ein offenes Geheimnis.
Die SPD kann Thomas Adrian aber nicht allein zum Bezirksamtsleiter wählen - sie braucht mindestens noch fünf Stimmen aus anderen Fraktionen, damit eine Mehrheit zustandekommt. Die Grünen wollen nicht. Die FDP hat nur drei Mitglieder. Die Linke hat schon abgewinkt.
Bleibt die CDU. Die wäre pragmatisch genug, nach dem Motto: Sag mir, was für uns dabei herausspringt, und wir sagen dir, ob wir dabei sind. Allerdings: Ein Verrat an den Grünen, Koalitionspartner der CDU Altona in der letzten Legislaturperiode, könnte die CDU teuer zu stehen kommen, falls sie wieder einmal jemanden zum Mitregieren sucht.
Und wenn sich Linke, FDP, Grüne und CDU auf einen Gegenkandidaten einigen und die SPD überstimmen? Nirgendwo anders in Hamburg denkbar – im eigensinnigen Altona schon.

KOMMENTAR
von Christiane Handke-Schuller
Wieso stellt die SPD in Altona einen Kandidaten zum Bezirksamtsleiter auf, der anderthalb Monate vor der Wahl keine Mehrheit hat und wohl auch keine haben wird? Die Antworten reichen von: „Weil er einfach der Beste ist“, (SPD) bis zu den abstrusesten Verschwörungstheorien. Eine kleine Auswahl:
1. Die SPD im Senat will, dass die Wahl schiefgeht. Dann regiert auf unbestimmte Zeit Kersten Albers, stellvertretender Bezirksamtsleiter, das Rathaus. Und der ist eingeschworener SPD-Mann.
2. Die SPD im Senat will, dass die Wahl schiefgeht, der Senat kann dann nämlich einfach einen Bezirksamtsleiter einsetzen. Einen eingeschworenen SPD-Mann.
3. Die CDU und die Grünen wollen, dass die Wahl schiefgeht. Dann überreden sie Jürgen Warmke-Rose, nochmal anzutreten, und der erbarmt sich.
4. Die CDU und die Grünen wollen, dass die Wahl schiefgeht. Dann ziehen sie ihr gemeinsames Ass aus dem Ärmel: einen tollen Kandidaten, den noch keiner auf dem Zettel hat und der alle überzeugt.
5. Die SPD Altona will Thomas Adrian loswerden. Das machen die so: Kurz vor der Wahl wird sich mit den Grünen auf jemand anders geeinigt. Thomas Adrian tritt beleidigt zurück. Mark Classen, starker Mann an zweiter Stelle, ist da, wo er immer hinwollte: an der Spitze der Fraktion.
6. Der Senat wird die Bezirke sowieso auflösen.
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1 Kommentar
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Johannes Beck-Müller aus Altona | 09.04.2013 | 16:08  
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