Die Schwiegermutter ums Geld gebracht?

Als die Kameras klicken, hält D. sich schützend eine blaue Mülltüte vors Gesicht.

Ralf D. soll nicht nur die Familie „erleichtert“ haben, sondern auch als Anlagebetrüger sein Umwesen getrieben haben.

Ralf D. ( 64) muss sich vor dem Amtsgericht Altona verantworten, weil er die Mutter seiner Lebensgefährtin im Laufe von mehreren Jahren um insgesamt 265.100 Euro gebracht haben soll. Immer wieder soll er sich Geld von ihr „geliehen“ haben, um sich aus einer finanziellen Klemme zu befreien. Zu-
rückgezahlt habe er so gut wie nichts. Das Vermögen ist weg – die alte Dame bezieht heute staatliche Unterstütung.
Unter D.’s Namen sind mehrere Unternehmensberatungen und andere Firmen in der Hafencity registriert – aber damit ist es wohl nicht weit her: Ralf D. kommt direkt aus der Haftanstalt ins Amtsgericht, mit Handschellen an einen Bewacher gefesselt. In der freien Hand hält er ein paar Habseligkeiten in einer blauen Mülltüte. Als die Fotografen ihre Kameras auf ihn richten, hält er sich die Mülltüte vors Gesicht. Einen Tag zuvor ist D. vor dem Landgericht wegen millionenschweren Anlagebetrugs in zwei Fällen zu insgesamt sechs Jahren Haft verurteilt worden - noch ist das Urteil nicht rechtskräftig.
Nur schwer kann man sich vorstellen, wie dieser Mann mit den über den Schädel gekämmten weißen Haarsträhnen Leute um so viel Geld bringen konnte. Trotz des massiven Bauchs, der sein Hemd aus der Hose zieht, wirkt er geschrumpft - das beige Sakko ist viel zu groß, die Ärmel reichen ihm bis zu den Fingern. Schwere Tränensäcke hängen unter den Augen, die Mundwinkel sind nach unten gezogen, sein Gesicht wirkt teigig. Mit einem schiefen Lächeln begrüßt er seine Frau in der Zuschauerbank.
Die Verhandlung wird vertagt. D.’s Verteidiger Johann Schwenn will sich eingehend über die Verhandlung vor dem Landgericht informieren, dort wurde D. von einem anderen Anwalt verteten. Schwenn will gegen das Urteil in Revision gehen. Auch das psychiatrische Gutachten will er anfechten. Das hält Ralf D. für voll schuldfähig – sein Verteidiger ist dagegen überzeugt, dass sein Mandant Symptome einer „klassischen psychischen Erkrankung“ zeigt.
Nach einer Viertelstunde klicken die Handschellen wieder - Ralf D. wird zurück in die Haftanstalt gebracht. Am 12. Februar geht die Verhandlung im Altonaer Amtsgericht weiter.
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