Die Holstenstraße - Über Nacht eine No-Go-Area?

(Foto: Utopie TV)
Zunächst war es nur eine sonderbare Radiomeldung: Etwa fünfzehn gewaltbereite Jugendliche hätten in der Holstenstraße mit Laserpointern die Polizei geblendet und seien schließlich von etwa 150 AnwohnerInnen unterstützt worden, die polizeifeindliche Parolen riefen.
Ich war irritiert. Ich komme regelmäßig in der Holstenstraße vorbei. Ich kenne Menschen, die dort arbeiten oder wohnen. Noch nie habe ich gehört, dass es in der Straße Schwierigkeiten gibt. Woher kommen urplötzlich diese gewaltbereiten Jugendlichen und wenn die wirklich so schlimm sind, warum werden sie noch von den AnwohnerInnen unterstützt? Wird die gesamte Straße womöglich nur von Verbrechern bewohnt? Auch ein neuer Name ist in diesem Zusammenhang kreiert worden: "Das Stolperviertel". Hand auf's Herz: Haben Sie diesen Namen vorher schon mal gehört? Ich nicht.
Das obige Bild entstammt einem Video. Ein bewusstloser Mensch wird in Handschellen abtransportiert.

Im betreffenden Polizeibericht heißt es, dass die Jugendlichen wegen Widerstands und Landfriedensbruch festgenommen wurden. Worin besteht der Landfriedensbruch? Die Jugendlichen wohnen in der Straße, bei der es sich im Übrigen um öffentlichen Raum handelt. Laut Polizeibericht ist es in den letzten Wochen vermehrt zu Straftaten gekommen. Was waren das für Straftaten? Warum hat vorher niemand davon erfahren, wenn diese so Besorgnis erregend sind?
Schaut man sich die Polizeipressemeldungen der letzten 10 Tage an, so besteht Gleichstand an Meldungen mit dem Stadtteil Eppendorf. In beiden Stadtteilen hat es eine Meldung gegeben. Demgegenüber gibt es für Winterhude vier Meldungen. Dennoch sieht die Polizei keinen Anlass dort vermehrt tätig zu werden. In der Altonaer Meldung geht es um eine Handtaschendiebin. Diese Tat kann kein Grund sein, eine Gruppe von männlichen Personen pausenlos zu observieren.
Weiter heißt es: "Sie haben Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Sachbeschädigung zu erwarten." Wer wurde durch die Jugendlichen verletzt? In dem Polizeibericht ist nicht die Rede von verletzten Polizeibeamten. Alle Zeugen sprechen ausschließlich von Verletzungen durch die Polizeibeamten.

Am darauf folgenden Abend brannte ein PKW in der Karl-Wolff-Straße. Wer hat ihn angezündet? Bevor diese Frage nicht aufgeklärt ist, gilt die Unschuldsvermutung - theoretisch. Natürlich wird spekuliert. Das will auch ich hier tun. Warum sollten die Jugendlichen einen Wagen in der Nachbarschaft anzünden, die sich doch so überaus loyal mit ihnen gezeigt hat. Warum sollten die so in Bedrängnis geratenen Jugendlichen ausgerechnet ein Auto anzünden, wenn sich eine derartige Polizeipräsenz im Stadtteil versammelt hat? Die Konfliktlinie läuft ganz offensichtlich zwischen den Jugendlichen und der Polizei. Zumindest zur Zeit. Wer könnte ein Interesse daran haben, dass sich daran etwas ändert und die AnwohnerInnen einander mit Misstrauen begegnen?

Als die Asylheime in Deutschland brannten, hieß es, dass die Bewohner es selbst waren. Als in die Mörder der NSU durch das Land zogen, wurden ebenfalls die Opfer verdächtigt. Wir sollten vorsichtiger werden mit solchen Verdächtigungen.

Am kommenden Samstag ist ausgehend vom August-Lütgens-Park eine Demonstration gegen Rassismus geplant.
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7 Kommentare
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Karsten Strasser aus Altona | 16.07.2013 | 08:16  
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Angela Banerjee aus Altona | 16.07.2013 | 18:59  
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Angela Banerjee aus Altona | 17.07.2013 | 18:25  
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Christiane Schneider aus Altona | 18.07.2013 | 23:11  
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christian stender aus Altona | 19.07.2013 | 00:45  
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Angela Banerjee aus Altona | 20.07.2013 | 09:48  
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Fran Kee aus Eimsbüttel | 14.08.2013 | 13:15  
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