Die Geschichte vom Fischteich an der Kirchenstraße

Der Fischteich hier noch mit Wasser gefüllt.
 
Das Wasser wurde irgendwann abgestellt, der Teich geleert und innen mit hellblauer Farbe bestrichen.
Hamburg: Kirchenstraße | Mit viel Fantasie kann man heute noch erkennen, dass sich auf der Grünfläche Kirchenstraße, ganz in der Nähe der Hauptkirche St. Trinitatis Altona, ein Teich befand. Von oben aus gesehen hat die ehemalige Teichumrandung immer noch die Form eines Fisches. Zwei Pelikane, Vollplastiken, die 1959 der Künstler Ernst Hanssen schuf, stehen dort auf einem Sockel und erinnern an schönere Zeiten, als die Grünanlage noch der Verschönerung und Erholung im Stadtteil Altona diente.
Heute kaum noch vorstellbar, besuchten Schwäne und Enten den Teich und machten dort ihre Pause. Goldfische und Karpfen tummelten sich in ihm, die wahrscheinlich von der Stadt oder der Kirche gespendet worden waren. Hin und wieder tauchten dort auch Fischarten auf, die im Teich eigentlich nichts zu suchen hatten. Altonabutjes hatten ihren Angelerfolg aus der Elbe dort ausgesetzt und beobachteten stolz den wieder freigelassenen Fischfang. Spaziergänger, die an ihnen vorbeigingen, konnten unfreiwillig ihren Streit mit anhören, wenn ein Butje zu einem anderen sagte: „Das ist mein Aal, der da schwimmt“, und der andere ihm lautstark antwortete: „Neee, das ist meiner.“
Im Sommer sausten zwischen dem Schilf die Libellen, die schönsten Teichrosen lagen im Wasser. Für die heimischen Aquariumsbesitzer war der Teich eine Goldgrube, denn dort besorgten sie sich den täglichen Bedarf an Wasserflöhen. Schüler der Schule Königstraße wurden an die Teichwelt herangeführt, so fand der Biologieunterricht auch manchmal im Freien statt.
Manch ein Papierschiffchen oder selbstgebasteltes Modelboot wurde dort auf Schwimmtauglichkeit geprüft. Am Teichrand gab es Rosenbeete und als Krönung des Ganzen schoss im Sommer eine Wasserfontäne aus der Mitte des Teiches. Am Teich wurden gemütliche Fächerstühle aufgestellt, die sehr gern von der älteren Generation genutzt wurden, manchmal auch, um eine Partie Schach zu spielen.
Einmal im Jahr wurde der Teich komplett geleert und gereinigt, wohin dann die Karpfen verschwanden, kann man nur spekulieren - wahrscheinlich landeten sie auf einem Teller zur Weihnachtszeit.
Für die Kinder war es ein aufregendes Abenteuer, wenn der Teich in der kalten Winterzeit zufror. Wer was auf sich hielt, überquerte den Teich zu Fuß und die Eltern freuten sich bestimmt, wenn der eine oder andere Butje mit einer klödernassen Büx nach Hause kam, weil das Eis noch nicht hielt.
Die Zeiten ändern sich, so auch die Menschen. In den 80ern blieben die alten Leute, die sich damals gern dort aufgehalten hatten, weg und wurden von lautstarken Jüngeren verdrängt, die den Teich auch gern als Müllabladeplatz benutzten. Statt der Papierschiffchen schwammen dort nun jede Menge Bierdosen, Flaschen und anderes Zeug herum. Die schweren Fächerstühle landeten hin und wieder im Teich und wurden durch zwei feststehende Bänke ersetzt. An sehr heißen Sommertagen wurde der Teich zur Badeanstalt. Später waren es die Hunde, die sich dort ihre Abkühlung holten.
Das Wasser wurde dann irgendwann abgestellt, der Teich geleert und innen mit hellblauer Farbe bestrichen. Nun dachte man, es werde bald wieder Wasser eingelassen. Falsch gedacht: Der Teich, der nach dem zerstörerischen Krieg wieder an etwas Schönes erinnern sollte, wurde buchstäblich begraben und heute weilt statt Wasser in ihm eine Wiese.
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