Die fliegenden Schuhe von Altona

Vom Gummistiefel bis zu Pumps ... in den Bäumen am Altonaer Balkon baumeln Schuhe vor schönster Hafenkulisse. Während es hier noch einzelne Paare sind, biegen sich in den USA einige „Shoe Trees“ schon unter ihrer Last.

Die Bäume am Altonaer Balkon tragen einen seltsamen Schmuck: Stiefel und Schuhe hängen an den Ästen

Den Wald vor lauter Schuhen nicht mehr sehen. Am Altonaer Balkon könnte es bald so weit sein. Dort hängen Schuhe in den Bäumen. Da baumelt der Gummistiefel neben dem robusten Ledertreter, drehen sich Schnürschuh und Stiletto im Wind. Die Tradition des Shoe Trees hat Altona erreicht. Auch anderswo im Bezirk hängen plötzlich alte Schuhe an Bäumen, Lichtmasten und Stromleitungen.
Über den Ursprung dieser sich seit den 1990er-Jahren wie ein Lauffeuer auf der ganzen Welt ausdehnenden Sitte, wird heftig gestritten. Zum einen behaupten die Schotten, die ersten gewesen zu sein. Dort soll es unter Männern Tradition sein, nach dem Verlust seiner Unschuld ein Paar Schuhe ins Fenster zu hängen.
Doch auch die Amerikaner pochen darauf, Erfinder des „Shoe-Tossings“ zu sein. Aus den USA kommen gleich mehrere Erklärungen: In New York sollen hängende Schuhe die Grenzen der Reviere verschiedener Gangs markieren. In Los Angeles werden zusammengebundene Schuhe von Verstorbenen als Erinnerung über Oberleitungen geworfen. An anderen Orten in den USA soll es Traditon sein, dass Soldaten, deren Dienstzeit beendet ist, oder Studenten, die ihr Studium abgeschlossen haben, aus Freude ihre Schuhe in den nächsten Baum schmeißen.
Überall aber heißt es, Schuhbäume erhielten durch die Treter magische Kräfte und seien in der Lage, Böses vom Menschen fernzuhalten.
Einer der berühmtesten Shoetrees der Welt – inzwischen leider gefällt – war eine einsame Pappel am Highway 50 in Nevada. Zu diesem Baum gab es eine Geschichte, die geht so: Ein Liebespaar zerstritt sich Anfang der 90er Jahre, der Mann schleuderte in seiner Rage die Schuhe seiner Verlobten in den Baum... und schaffte es nicht, sie wieder herunterzuholen. Sie versöhnten sich, kehrten nach Jahren an den Ort des Streits zurück – und stellten fest: Der Baum war über und über mit Schuhen behängt.
Hunderte solcher Bäume stehen inzwischen in den USA am Rand von Highways, viele davon mitten im Nichts, einige mit ihren ganz eigenen Legenden. Auch in Australien stößt der Reisende auf solche Shoe Trees in der Wildnis. Vielleicht der Versuch des Menschen, einer beängstigend übermächtigen Natur seinen Stempel aufzudrücken?
Das wird in Altona nicht der Grund sein, Schuhe in die Bäume zu werfen. Sind Hochzeitspaare die Schuhewerfer? Rathaus und Standesamt sind nur ein paar Meter entfernt und der Altonaer Balkon ist ein beliebtes Fotomotiv. Nachgefragt im Rathaus. Pressesprecher Martin Roehl ist ratlos: „Wir wissen nichts von Schuhen in Bäumen.“


❱❱ www.roadsideamerica.com/story/29064
❱❱ http://de.wikipedia.org/wiki/Schuhbaum
❱❱ www.shoepassion.de/blog/shoe-tossing
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.