„Die dürfen dort das Loch buddeln“

Proteste auch im Regen: Mitglieder der Initiative Pro Wohnen Ottensen demonstrierten gegen den aus ihrer Sicht rechtswidrigen Beginn der Bauarbeiten auf dem Zeise-Parkplatz an der Ecke Friedensallee /Behringstraße. Foto: rs

Bezirk: Arbeiten auf dem Zeise-Parkplatz
gelten rechtlich nicht als Baubeginn

Von Reinhard Schwarz.
Zeise-Parkplatz: Eine Ramme schlägt unentwegt Pfeiler in den Untergrund. Alles sieht nach einer normalen Baustelle aus. Doch der Baubeginn an der Ecke Friedensallee /Behringstraße birgt jede Menge Zündstoff, denn hier soll ein Bürohaus für rund 800 bis 900 Mitarbeiter des Medienkonzerns WPP entstehen. Die Initiative Pro Wohnen Ottensen hat gegen das Vorhaben ein Bürgerbegehren gestartet und kürzlich die notwendigen 2.369 Unterschriften eingereicht. Diese Anzahl ist erforderlich, um das Vorhaben drei Monate auf Eis zu legen.

Verstößt der Bezirk Altona mit Genehmigung von Bauarbeiten gegen rechtliche Bestimmungen des Gesetzes zur Durchführung von Bürgerbegehren? Ja, sagt Pro Wohnen Ottensen: „Was dort im Moment am Zeise-Parkplatz aufgeführt wird, ist ein Schlag ins Gesicht der Anwohner!“ Nein, rechtlich sei alles in Ordnung, sagt das Bezirksamt Altona: „Die Bauarbeiten auf dem Grundstück Zeise-Parkplatz werden fortgeführt. Rechtlich gesehen wurde die Genehmigung für eine Baugrube erteilt und hat auch weiterhin Bestand. Konkret heißt das: Die dürfen dort das Loch buddeln. Es gibt gegenwärtig allerdings noch keine Baugenehmigung für den Bau eines beantragten Bürohauses“, erklärte Bezirksamtssprecher Martin Roehl.

Worum geht es bei dem Streit? Noch Anfang des Jahres sollte auf dem Gelände, das seit Jahren als Parkplatz für Besucher des Viertels genutzt wurde, ein Haus mit 86 Wohnungen entstehen. Ein Drittel davon frei finanziert, ein Drittel Sozialwohnungen und ein Drittel Eigentumswohnungen. Doch im Sommer kam die Kehrtwende: Plötzlich wollten die Investoren einen Bürokomplex errichten. Politisch erhielten sie auch
Rückenwind, denn die Kommission für Bodenordnung segnete im Herbst den Verkauf des städtischen Grundstückes an die privaten Investoren ab.
Wie soll es weitergehen? „Wir wollen auf jeden Fall gegen die erteilte Vorgenehmigung klagen“, sagt Hauke Sann von Pro Wohnen Ottensen. Die Ini wehrt sich weiterhin gegen das Missverständnis, dass man gegen „Werber“ sei: „Das Großprojekt verdrängt andere Arbeitsplätze im Viertel. Viele Kreative und Gewerbetreibende sind jetzt schon von drastischen Mieterhöhungen betroffen.“
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