Die älteste Gästeführerin der Stadt

Lotti Strehlow: eine lebenslustige Frau, die viel zu erzählen hat und St. Pauli wie ihre Westentasche kennt.

Lotti Strehlow (81) kennt das echte St. Pauli.

Von Christopher von Savigny.
Ich habe schon so viele Dinge im Leben gemacht“, seufzt Lotti Strehlow (81). Dann hält sie inne, um zu überlegen, wo sie überhaupt anfangen soll. Als Barfrau, Fotolaborantin und Schmuckverkäuferin hat sie gearbeitet – immer mal wieder unterwegs in der großen weiten Welt, und doch immer wieder nach Hause zurückgekehrt. Nach Hause, das heißt St. Pauli. Dort macht sie heute das, was sie am besten kann: Für das Touristikunternehmen „Landgang St. Pauli“ zeigt sie Besuchern ihren Stadtteil. „Ich bin die älteste Gästeführerin St. Paulis“, sagt Lotti Strehlow. „Wenn nicht sogar Hamburgs.“
Die lebenslustige Seniorin hat spannende Geschichten über das „echte“ St. Pauli zu erzählen. Mit „echt“ meint sie das Rotlichtviertel der 50er Jahre. „Heute ist ja alles nur noch Ballermann“, sagt sie. Damals stand Strehlow hinter dem Tresen der Indra-Bar, in der knapp zehn Jahre später die Beatles ihr erstes Hamburg-Konzert geben sollten. Zu Zeiten „Lilos“ – so wurde sie auch genannt – waren andere Typen interessant. Typen wie Freddy Quinn zum Beispiel. „Ich habe ihm manchmal ein Bier ausgegeben, weil er nie Geld hatte!“ Ein paar Jahre später wurde Freddy in einer Nachbarkneipe von einer Plattenfirma entdeckt – doch das ist eine andere Geschichte.
Als Kind besuchte Lotti Strehlow die Pestalozzischule (Kleine Freiheit), die heute nicht mehr existiert. Es folgen Umzüge mit den Eltern nach Bayern und Hessen, später die Ausbildung als Fotolaborantin und die wilde Zeit auf dem Kiez. Mit ihrem Mann ging sie nach Bremen und nach Oldenburg. Nachdem er gestorben war, machte sie sich selbstständig und startete einen schwunghaften Handel mit ko-lumbianischem Schmuck. Oft war sie in Südamerika unterwegs, später wurde Griechenland zu ihrem bevorzugten Revier.
Seit 2002 ist Lotti Strehlow für „Landgang St. Pauli“ auf dem Kiez unterwegs, im Durchschnitt zweimal pro Woche. Wer mit ihr mitgeht, erfährt allerlei Wissenswertes über Rotlicht und Seeleute, über Kiezkönige, Luden und Verbrecher – und warum zwischen St. Pauli und Altona früher eine Grenze verlief. Wer noch mit über 80 als Fremdenführer unterwegs ist, bleibt geistig und körperlich fit – Lotte Strehlows Lebensphilosophie. „Ich liebe meinen Job einfach“, sagt sie.
Infos: www.stpauli-landgang.de
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