Dicke Luft vor Schulen

Autos sind Hauptverursacher von Schadstoffen in der Stadt. Vor Schulen an Hauptstraßen wurden bedenkliche Wert für Stickoxide gemessen. Foto: panthermedia (Foto: panthermedia)

Luftverschmutzung: Wie Umweltverbände Druck machen, damit Hamburg handelt

Carsten Vitt, Hamburg-West

Hamburg hat ein Problem mit schmutziger Luft. Vor allem an stark befahrenen Straßen – darunter Stresemannstraße, Kieler Straße, Max-Brauer-Allee – liegen Messwerte für Stickoxide seit Jahren über den zulässigen EU-Grenzwerten (das Elbe Wochenblatt berichtete). Nun hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace weitere bedenkliche Zahlen veröffentlicht.
Im Februar ließ Greenpeace vor mehreren Hamburger Schulen Werte für Stickstoffdioxid (NO2) ermitteln. Das Reizgas kann zu Atemwegserkrankungen führen und erhöht das Asthmarisiko. An drei Schulen im Hamburger Westen lagen die NO2-Konzentrationen deutlich über dem zulässigen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft: An der Stadtteilschule Groß Flottbek (58,45), an der Schule Sternschanze (57,7) und an der Schule Luruper Hauptstraße (52,35). Bei etwa einem Drittel der Schulen liegen die Werte knapp über dem Grenzwert, bei einem weiteren Drittel darunter. Die geringste NO2-Konzentration wurde an der Grundschule Hoheluft gemessen. Diese liegt in einer relativ ruhigen Seitenstraße, die Spitzenreiter hingegen an stark befahrenen Hauptstraßen.

Tempo 30, Umweltzone: Hamburg lehnt das ab

Greenpeace und andere Umweltschutzorganisationen wollen den Druck auf Hamburgs Senat erhöhen, etwas gegen die Luftverschmutzung zu unternehmen.
Als Hauptverursacher gilt der Verkehr, vor allem Dieselfahrzeuge pusten viel Schadstoffe in die Luft. Verbände wie der BUND oder der Fahrradclub ADFC fordern deutlich mehr Tempo 30-Bereiche und Dieselfahrverbote.
Davon will die Stadt aber bisher nichts wissen. Hamburg setzt laut Umweltbehörde auf mehr Radverkehr, saubere Busse, Elektroantriebe und einen attraktiven öffentlichen Nahverkehr, der die Menschen zum Verzicht auf das Auto bringen soll.

Dreckige Diesel: Weiteres Argument für Fahrverbote?

Die Diskussion über drastische Mittel wie Fahrverbote dürfte durch neue Messergebnisse des Umweltbundesamts (UBA) angefacht werden. Demnach stoßen selbst moderne Dieselfahrzeuge, die strenge Abgasnormen erfüllen, bis zu fünfmal so viel NO2 aus als erlaubt.
Hintergrund: Messungen erfolgten bisher unter Laborbedingungen, im echten Fahrbetrieb ist der Abgasausstoß aber deutlich höher.
UBA-Präsidentin Maria Krautzberger: „Wir brauchen mehr denn je eine schnelle Entlastung der vielen hunderttausend Menschen, die in den Innenstädten unter den Folgen der viel zu hohen Dieselabgase leiden.“

Messwerte
So hoch ist laut Greenpeace-Studie die Konzentration von Stickstoffdioxid (in Mikrogramm pro Kubikmeter Luft). Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm.

Schule Groß Flottbek: 58,45
Schule Sternschanze: 57,7
Schule Luruper Hauptstraße: 52,35
Max-Brauer-Schule: 41,3
Schule Bahrenfelder Straße: 40,1
Schule Schenefelder Landstraße: 40
Schule Barlsheide: 37,45
Fridtjof-Nansen-Schule: 36,9
Grundschule Hoheluft: 33,5


Greenpeace hat im Februar in Hamburg sogenannte „Passivsammler“ vor Schulen und Kitas aufgehängt. Solche Messgeräte ergänzen auch das offizielle Messnetz des Umweltbundesamts.
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