Deutschlands erste Bankräuberin

Ausriss aus dem „Hamburger Abendblatt“: Gisela Werler war in den Sechzigern die „Banklady“. (Foto: pr)

Gisela Werler aus Altona machte Schlagzeilen in den Sechzigern, jetzt zeigt der Spielfilm „Banklady“ ihre Geschichte in den Kinos.

W. Düse.
Eine Frau, die Banken überfällt, das gab es noch nie in Deutschland – bis Gisela Werler kam. Älteste Tochter eines Bauschlossers aus Altona. Eine Frau, die Kriminalgeschichte geschrieben hat. Am 29. Juni 1965 erleichterte sie bei ihrem ersten Überfall die Filiale der Hamburger Volksbank an der Elbgaustraße um 3.100 Mark. Es folgten 18 weitere Überfälle, in denen sie gemeinsam mit Ihrem Geliebten Hermann Wittorf insgesamt 453.000 Mark erbeutet. Zurzeit zeigt der hochspannende Film „Banklady“ in Hamburger Kinos ihre Geschichte.
Die polizeilichen Ermittlungsergebnisse über Gisela Werler nach ihrer Verhaftung am 15. Dezember 1967 verblüffen eine ganze Republik. Die „Banklady“, die jahrelang den Fahndungsapparat der Polizei gefoppt und die Phantasie der Öffentlichkeit angefeuchtet hat, entpuppt sich geradezu als Langweilerin: Nach dem Abschluss der Volksschule Aushilfe im Blumenladen, Verkäuferin im Einzelhandel, Packerin und Kassiererin in einem Supermarkt – strebsam, bescheiden, unauffällig, passiv. Durch ihren Lebensstil aufgefallen sind Gisela und ihr Überfall-Partner Hermann Wittorf nie: ein gebrauchter Käfer, Urlaube auf Helgoland und in Büsum, ab und an ein Kalbsschnitzel.
Wie wird so eine die erste Bankräuberin der Republik? „Aus Liebe“, antwortet sie. Aus Liebe zu Wittorf, einem verschuldeten Taxiunternehmer aus Eidelstedt. Diese Liebe weckt bislang unbekannte Eigenschaften an der dunkelhaarigen Frau aus kleinen Verhältnissen: Sie wartet nicht nur auf ihren mit Beute heimkehrenden „Jäger“, sondern nimmt die Knarre selbst in die Hand. Elegant gekleidet, mit blonder Perücke und riesiger Sonnenbrille betritt sie die Schalterräume der Banken, bittet höflich, aber schwer bewaffnet, um Geld, sagt nach getaner Arbeit „Danke“ und wünscht einen schönen Tag.
Werler bezahlt mit neuneinhalb Jahren Knast, Wittorf mit dreizehneinhalb. Die beiden heiraten in der Gefängniskapelle. Ihre Ehe endet nach 31 Jahren, als Gisela Werler 2003 stirbt. Sie wurde 69 Jahre alt.
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Horst Kujanek aus Altona | 02.04.2014 | 22:19  
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