Der Rundbunker in Neumühlen

Zwischen Bäumen und Büschen versteckt, befindet sich am Elbhang ein geheimnisvoller Eingang.
 
In der Nähe des Eingangs befinden sich Ansaugstutzen für die Lüftungsanlage.
Hamburg: Neumühlen | Am Elbhang, hinter dem Gebäude der Lawaetz-Stiftung, befindet sich, versteckt zwischen Bäumen und Büschen, ein geheimnisvoller Eingang. Stufen, die mit feuchter Erde und Unrat bedeckt sind, führen hinunter zu einer Tür, die offen steht. In der Nähe des Eingangs ragen zwei schornsteinähnliche Säulen aus der Erde. Was kann sich dort unten verbergen?
Neugierig, mit einem Fotoapparat und einer Taschenlampe bewaffnet, gehe ich vorsichtig die Stufen hinunter (Rutschgefahr) und sehe nach, was sich hinter dieser Tür befindet. Ohne Taschenlampe hätte ich kaum die Hand vor Augen gesehen, so dunkel war es dort drinnen. Weit kam ich aber nicht, denn in den Räumlichkeiten stand überall das Wasser knöcheltief; und auch hier: überall Unrat. Ein Weitergehen wäre zu gefährlich gewesen. Im Taschenlampenlichtkegel konnte ich über einem der Türrahmen einen Schriftzug erkennen: „Frauen Sanitäranlage“. An einer anderen Wand konnte ich die Hinweise „Nicht Rauchen“ und „Not-Ausstieg“ lesen. Nun wusste ich, wo ich mich befand: in einem Bunker.

Als ich einem Nachbarn von meinem Besuch im Bunker erzählte, habe ich von ihm erfahren können, dass er in seiner Jungendzeit auch mal dort unten war, und er glaubte sich daran zu erinnern, an einer dieser Wände die Aufschrift „Gasschleuse“ gesehen zu haben. Diese scheint aber heute mit Farbe übermalt zu sein, denn gesehen habe ich sie nicht.
Aber wenn es sich hier um eine Gasschleuse handelt, wäre dies dann nicht ein Vorraum zu einem noch größeren Bunker?

Nachgefragt bei Unter-Hamburg e.V., was es mit dem Bunker in Neumühlen auf sich hat, bekam ich freundlicherweise vom Vorsitzenden Ronald Rossig schnelle Antwort:
Es handelt sich hierbei um einen Rundbunker, der etwa um 1943 gebaut wurde. Er wird in den Listen mit einer Kapazität von 50 Personen geführt und ist damit eines der kleinsten Schutzbauwerke. Für Direkteinschläge waren solche Bunker absolut untauglich, sie waren lediglich für Splitterschutz gedacht und durften folglich noch nicht mal Bunker genannt werden. Alle Bunker, egal wie groß, hatten eine Gasschleuse.
So konnten auch noch nach Beginn der Angriffe Menschen das Bauwerk
aufsuchen, ohne Verbrennungsabgase mit hinein zu bringen.
Bei den schornsteinähnlichen Säulen handelt es sich um Ansaugstutzen für die Lüftungsanlage. In dieser Höhe rechnete man nicht mehr mit Verbrennungsgasen, die schwerer sind als Luft und natürlich nicht angesaugt werden durften.


Schon vor meiner Erforschungstour war mir aufgefallen, dass die Tür seit Ewigkeiten schon offen steht. Ich hatte die Vermutung gehabt, dass der Bunker Fledermäusen als Winterschutz dienen könnte. Nun wollte ich es genau wissen und hörte, dass die Tür wohl mutwillig aufgebrochen worden war.
Leider bietet der Neumühlener Rundbunker außer Wasser, das eher so aussieht, als ob es aus einer Kloake stammt, unzähligen Mücken, die an der Decke hängen, einem moderigen Geruch und Unrat nichts Aufregendes. Einen Besuch kann man sich sparen. Außerdem besteht absolute Unfallgefahr.
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2 Kommentare
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Michael Borkowski aus Altona | 26.07.2012 | 12:54  
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Michael Borkowski aus Altona | 17.05.2013 | 20:13  
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