Der Reichardtblock schäumt über

Kein schöner Anblick: Die Westfassaden des Reichardtblocks sind seit einem halben Jahr mit Gerüsten und Bauzäunen zugestellt. Foto: cvs

Mieter und Denkmalschützer ärgern sich über Sanierungsarbeiten – Gericht entscheidet.

Von Christopher von Savigny. Metallene Bauzäune versperren den Weg zu den knapp 100 Jahre alten Backsteinhäusern in der Reichardtstraße. Mehr als ein halbes Jahr steht das unansehnliches Gestänge zum Ärger der Bewohner schon herum. „Eine Sauerei“, sagt eine Mieterin, die nicht genannt werden möchte. „So etwas kennen wir gar nicht von der Altoba!“
Die Zäune sind von einer groß angelegte Sanierungsmaßnahme übrig geblieben, die der Altonaer Spar- und Bauverein (Altoba) für den denkmalgeschützten „Reichardtblock“ zwischen Bornkampsweg und Valparaisostraße (400 Wohnungen) plant. Momentan liegen die Arbeiten auf Eis, das Oberverwaltungsgericht entscheidet, ob sie weiter gehen.
Im Frühjahr 2015 hatte die Genossenschaft offenbar im Hauruckverfahren mit den Arbeiten begonnen – wenige Wochen später setzte das Denkmalschutzamt einen Baustopp durch. Die Altoba sei „mehrfach darauf hingewiesen worden, dass es für die geplante Sanierungsmaßnahme einer denkmalrechtlichen Genehmigung bedarf“, sagt Enno Isermann, Sprecher der Kulturbehörde. Da die Genossenschaft untätig geblieben sei, habe man die Baustelle stilllegen müssen.

Modernisierung oder Instandsetzung?

Die Westfassaden der 1928 bis 1931 erbauten Klinker-Reihenhäuser haben zweischalige Wände, dazwischen befindet sich eine neun Zentimeter dicke Luftschicht, die der Isolierung dient. Aus Gründen der „Standsicherheit“ soll der Zwischenraum nun mit Schaum verfüllt werden, was nicht nur Hamburgs Denkmalschützern sauer aufstößt, sondern auch Naturschützern, da in der Fuge Fledermäuse und Mauersegler hausen sollen.
Die Kosten für die Baumaßnahmen werden prozentual auf die Mieter umgelegt. Der Verein „Mieter helfen Mietern“ (MhM) ist allerdings der Ansicht, es gehe nicht nur um Modernisierung, sondern auch um Instandsetzung – für die Mieter nicht zahlen müssten. „Wir unterstützen die Mieter dabei, einen unabhängigen Gutachter zu beauftragen“, sagt MhM-Anwalt Christian Bluhm.
Die Entscheidung über eine mögliche Fortsetzung der Bauarbeiten liegt jetzt bei Hamburgs höchsten Verwaltungsrichtern.
Kommen die störenden Bauzäune weg? Altoba-Sprecherin Silke Kok sagt dazu: „Wir können die Unzufriedenheit der Mieter, die sich in ihrer Wohnqualität beeinträchtigt fühlen, gut nachvollziehen.“ Durch die Gerüste werde aber verhindert, dass Personen durch das mögliche Herabfallen von Fassadenteilen verletzt werden.

Mit Fernwärme

Immerhin sechs Jahre sind für die Arbeiten im Reichardtblock veranschlagt worden. In dieser Zeit werden die Hausfassaden instandgesetzt sowie Keller und Dachböden gedämmt und teilweise ausgebaut. Zudem werden Bäder und Rohrleitungen erneuert, sowie neue Fenster eingesetzt. Weiterhin ist der Anschluss der Wohnungen an das Fernwärmenetz geplant. CVS
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.