Der Protestbaum vom Goetheplatz

Die Roteiche, die dem umstrittenen Neubau am Goetheplatz weichen muss. Sie ist mit bunten Stoffbahnen umwickelt, in der Krone hängen zahlreiche Christbaumkugeln. Foto: rs

Roteiche muss fallen, wenn Neubau kommt - Initiativen und Anwohner sind dagegen.

Von Reinhard Schwarz.
Für viele Bürger ist dieser Baum in den letzten Monaten in den Mittelpunkt des Interesses gerückt: die Roteiche auf dem Goetheplatz. Unbekannte haben bunte Stoffbahnen um den Stamm gewickelt, in den Ästen hängen Christbaumkugeln. Andere haben ein Flugblatt aufgehängt mit der Überschrift: „Für diesen Neubau soll der Baum sterben.“ Anwohner befürchten, dass der Baum für den geplanten Neubau „Bergspitze“ abgeholzt werden soll. Und das befürchten sie zu Recht.
Noch steht am Goetheplatz / Große Bergstraße ein zweigeschossiges Geschäftshaus. Die meisten Mieter sind bereits ausgezogen, lediglich der Sonderpostenmarkt „Preis-Oase“ im Obergeschoss hält die Stellung. Das Haus soll einem siebenstöckigen Neubau weichen, mit Verkaufsräumen im Parterre und 65 Wohnungen darüber.
Dörte Schmidt-Reichard und Johannes Kohl von der Bürgerinitiative „annaelbe“ protestieren gegen dessen Ausmaße. Rund 500 Quadratmeter der Marktfläche sollen dafür geopfert werden. „Wir wenden uns gegen diesen Ausverkauf öffentlichen Raumes“, sagt Schmidt-Reichert. Um Passanten zu informieren, haben sie ein Styropor-Modell des Neubaus auf einem Klapptisch aufgebaut. Daran soll gezeigt werden, welcher Teil der Marktfläche weichen soll.
Weichen muss auch der Baum. Das erklärt der Inves-tor, der den umstrittenen Neubau an dieser Stelle errichten will. Kai Krahmer von der Geschäftsführung der Bruhn Immobilien: „Leider muss der Baum gefällt werden; er würde zu nah am Neubau stehen.“ Die anderen Bäume am und rund um den Goetheplatz sollen von den Bauarbeiten unberührt bleiben, verspricht er. Krahmer weiter: „Es sollen dort auch noch mehr Bäume gepflanzt werden. Darüber hinaus sind vier weitere, große, an der Großen Bergstraße gegenüber dem Restaurant Klippkroog geplant.“
Kein Trost für alle, die an „ihrer“ Roteiche hängen. Eine Nachbarin hat ein himmelblaues Strickteil mitgebracht, eine Art Schal für den Baum. Schmidt-Reichard und Kohl wickeln es um den Stamm: „Die Frau sagte uns: ‚Das hat meine Tochter extra für euch gestrickt.’“
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