Der Pesthofkeller von St. Pauli

Ronald Rossig (l.) vom Verein „Unter Hamburg“ schilderte im vergangenene Jahr am Tag des offenen Denkmals die Geschichte des früheren Eiskellers. Nach der Legende befand sich hier im 17. Jahrhundert ein „Pesthof“, in den Erkrankte aus Angst vor Ansteckung gebracht wurden.

Tag des offenen Denkmals: Einmal im Jahr ist das Gewölbe des Koopmann’schen Kellers für die Öffentlichkeit zugänglich

Von Reinhard Schwarz.
Ein ehemaliger Eiskeller der Schlachterei Koopmann: Einst, so die Legende, soll hier der „Pesthofkeller“ von St. Pauli gewesen sein. Manchen gruselt es beim Hinabsteigen in den Untergrund. Lagen hier, in der Nähe der heutigen Annenstraße, im 17. Jahrhundert Pestkranke bis zu ihrem Dahinscheiden? Spukt es hier? „Nein“, beruhigt Ronald Rossig ängstliche Gemüter.
Der Keller ist so alt wie das Haus an der Ecke Annenstraße/Clemens-Schultz-Straße: Baujahr 1863. „Der eigentliche Pesthof lag rund 300 Meter weiter, im Bereich der heutigen Budapester Straße“, erklärt Ronald Rossig, 1. Vorsitzender des 2006 gegründeten Vereins „Unter Hamburg“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Geschichte unterirdischer Bauten in Hamburg „kritisch und wissenschaftlich“ zu erforschen.
Eine der ersten Entdeckungen des Vereins war der Koopmann’sche Eiskeller. „Die Eis-Aufbewahrung war noch im 19. Jahrhundert eine Wissenschaft für sich“, schildert Experte Rossig. „Das Eis wurde im Winter aus Alster, Elbe oder Bille geschlagen und in speziellen Kellern eingelagert.“ Mit dem Aufkommen moderner Kühlanlagen Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Eiskeller überflüssig. Entweder wurden sie anderweitig genutzt oder sie fielen dem Vergessen anheim.
Die Schlachterei Koopmann nutzte den Keller zunächst, um dort Würstchen und Schmalz zu produzieren. Die Verkaufsräume waren an der Annenstraße, Ecke Clemens-Schultz-Straße. 1903, nach dem Konkurs der Schlachterei, wurde das Haus zwangsversteigert. Später befand sich in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts in den ehemaligen Verkaufsräumen ein Parteibüro der NSDAP.
Heute steht das sagenumwobene Gewölbe fast das ganze Jahr leer, wird nur bei gelegentlichen Veranstaltungen genutzt – wie etwa am Tag des offenen Denkmals. Der Grund, so Rossig: „Der Raum gilt als nicht verkehrssicher: Weil er nur einen Zugang hat, wäre er in einer Notsituation eine Falle.“

Tag des offenen Denkmals
Der Eiskeller, Lessers Passage 4, ist zum Tag des offenen Denkmals am Sonnabend, 7., und Sonntag, 8. September, jeweils von 10 bis 18 Uhr zur Besichtigung geöffnet.
Weitere „offene Denkmäler“:
- Victoria-Kaserne / Künstlerhaus Frappant, Zeiseweg 9/ Bodenstedtstraße 16, So 12-17 Uhr.
- Gymnasium Allee, Max-Brauer-Allee 83, Sa 10-16 Uhr, So 10-14 Uhr.
- Gängeviertel, Valentinskamp 34, Sa 14-17 Uhr.
- Kontorhaus Brahms-Kontor, Johannes-Brahms-Platz 1, So 10-17 Uhr.
- Ehemalige Kinderbewahranstalt, Holstenwall 6, So 12-16 Uhr. Holstenwall 12, 18 und 24 ebenfalls geöffnet.
- Ledigenheim Rehhoffstraße, Rehhoffstraße1-3, Sa/So 11-18 Uhr.
- Ensemble Elbtreppe 5-15c, So 11-17 Uhr.
- Schellfischtunnel, Präsident-Krahn-Straße, Sa/So Führungen nach Anmeldung unter www.hamburger unter
welten.de
- Ehemaliges Israelitisches Krankenhaus, Simon-von-Utrecht-Straße 4a. Führungen So, 11,13,15 Uhr.
- Ehemalige Israelitische Töchterschule, Karolinenstraße 35, Sa 12-18 Uhr.
- Ehemaliger Zentralviehmarkt, Neuer Kamp 31, Führung Sa 15 Uhr.
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