Der Nobistor-Pfeiler droht auseinanderzufallen

Notdürftig werden die vier gusseisernen Schmucktafeln mit einem Schraubsystem zusammengehalten.
 
Hin und wieder gestalten Mülltonnen und Müllsäcke, die neben den Pfeiler abgestellt werden, seinen Standort noch unattraktiver.
Hamburg: Reeperbahn | Die Silhouetten-Skulpturen der Beatles-Musiker, die seit 2008 im Verlauf der Reeperbahn in der Einmündung Große Freiheit auf dem Beatles-Platz stehen, finden von Besuchern sehr viel Beachtung.
Nur 40 Schritte von der Mitte des Platzes entfernt, Richtung Reeperbahn, steht ein Stück Geschichte, das genauso große Aufmerksamkeit verdient hat: einer von zwei gusseisernen Seitenpfeilern, die vom Nobistor übriggeblieben sind.
Zusammen mit einer Telefonzelle, zwischen zwei Stromkästen und Bäumen, die vereinzelt am Straßenrand wachsen, wacht er vor dem Eingang „Paradies Point of Sex“ (ehe. Eros Center) und soll hier an die Grenze zwischen Hamburg und Altona erinnern.
Beim Vorbeigehen wird der circa 170 Jahre alte Nobistor-Pfeiler kaum wahrgenommen. Warum auch, es gibt noch nicht mal eine Informationstafel, die vor Ort seine Geschichte erzählt, wie bei so vielem in Altona. Hin und wieder gestalten Mülltonnen und Müllsäcke, die neben ihn abgestellt werden, seinen Standort noch unattraktiver.
Nun scheint er müde geworden zu sein und auseinander fallen zu wollen. Die Fugen, die nachträglich mal angebracht wurden, sind auseinandergerissen. Der Pfeiler wurde somit instabil, weil er kaum noch eine Verankerung hat. Notdürftig werden seine vier gusseisernen Schmucktafeln mit einem Schraubsystem zusammengehalten, um das Schlimmste aufzuhalten. Zwei weitere Schmucktafeln, die sich direkt unter der Laterne zwischen den beiden Wappenschilde befanden, wurden vor kurzem entfernt. Man kann nur hoffen, das sie kein Souvenir-Jäger für seine Sammlung mitgenommen hat.
Wolfgang Vacano, Leiter des Altonaer Stadtarchiv, der sich vor ein paar Jahren um den Erhalt des Pfeilers bemühte, gab mir diese Auskunft: "Altona hatte zwar Interesse an einer Restaurierung, stellte sogar 5.000 Euro zur Verfügung, die jedoch aus folgenden Gründen nicht ausgegeben werden konnten: 1. Der eingesetzte Metallrestaurator wäre mit dem Geld nicht ausgekommen, da mehr Schäden vorhanden waren, als anfänglich festgestellt wurden.
2. Eine Regelung besagt: Geld, das die Bezirksversammlung aus Sondermitteln zur Verfügung stellt, darf nur im Bezirk Altona ausgeben werden. Aber der Pfeiler steht angeblich gerade eben im Bezirk Mitte.
Ein Abgeordneter der Bezirksversammlung Mitte wollte sich deshalb darum kümmern, hatte aber bisher offensichtlich keinen Erfolg“, so Vacano.
Der Nobistor-Pfeiler scheint sich in einem Niemandsland zu befinden. In einer Art Pufferzone zwischen Altona und Hamburg.
Richtig aufgemöbelt, an einem besser sichtbaren Platz aufgestellt (zum Beispiel nahe Eingang S-Bahn Nobistor) und mit einer Hinweistafel ausgestattet, wäre er für Touristen ein echter Eyecatcher, an dem sie sich bestimmt genauso gern fotografieren lassen würden, wie mit den Silhouetten-Beatles.
Der zweite Nobistor-Pfeiler liegt, gut aufbewahrt, in einer Halle. Leider sind zwei seiner Gussplatten auseinandergebrochen. „Den zweiten Pfeiler auf der anderen Seite der Reeperbahn aufstellen zu wollen, hätte heute keinen Sinn, weil auch er dort wie auf verlorenen Posten stehen würde“, berichtete Vacano vom Altonaer Stadtarchiv weiter, „von den Renovierungs- und Aufstellungskosten ganz zu schweigen. Die beiden Pfeiler würden auch viel zu weit auseinander stehen.“
So viele Jahre hat das gute Stück nun überstanden und erinnert mich persönlich auch ein wenig an den damaligen Erfolgshit von Lale Andersen: Lili Marleen.
Der Name „Nobistor“ soll durch die Aufschrift, die in Latein geschrieben, auf der Metalltafel des Pfeilers steht, entstanden sein: „Nobis bene“. Übersetzt: „Uns Gutes“. Das würde ich auch dem Nobistor-Pfeiler wünschen. Das Altonaer Stadtarchiv drängt weiterhin auf den Erhalt des Pfeilers.
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